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Nachhaltiges Wirtschaften: Gemeinsamer Schritt nach vorn von Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften

Die Zusammenarbeit von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) beim Thema Nachhaltiges Wirtschaften kommt voran, so das Ergebnis einer Fachtagung der Hochschule Bremen und des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) am 7. Mai 2010 in Berlin. Rund 70 Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaft diskutierten das Kooperationspotenzial und gemeinsame Interessen von Arbeitnehmervertretungen und NGOs hinsichtlich des Umgangs mit den ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen von Unternehmenshandeln.

Beate Zimpelmann, Professorin am Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit im Globalen Wandel (Glokal) der Hochschule Bremen: „Globale Herausforderungen wie der Klimawandel oder niedrige Arbeitsstandards erhöhen den Druck auf die deutschen Arbeitnehmervertretungen, nicht allein die soziale Dimension von Arbeit zu fokussieren und zudem stärker international zu agieren. Themen und regionale Zusammenhänge, die bislang primär von Nichtregierungsorganisationen behandelt wurden, werden zunehmend auch für Gewerkschaften relevant.“ Von den Arbeitnehmervertretungen müsse künftig zudem stärker hinterfragt werden, wie zukunftsfähig das Geschäftsmodell ihres Unternehmens sei. „Das liegt ganz in ihrem Eigeninteresse“, so Zimpelmann. Schließlich riskiere eine Unternehmensführung, die mit den Erfordernissen der nachhaltigen Entwicklung nicht vereinbar ist, Arbeitsplätze in großem Umfang.

Es gibt bereits gute Beispiele für die Zusammenarbeit von NGOs und Gewerkschaften an diesen Themen, doch bislang fand diese Kooperation noch nicht systematisch statt. Im Interesse beider Gruppen solle sie auf eine breitere Basis gestellt werden, so die weitgehende Übereinstimmung der Expertinnen und Experten. „Wir beobachten über die Jahre eine mal mehr, mal weniger starke Offenheit der Gewerkschaften für ökologische Themen“, so Thomas Korbun, Wissenschaftlicher Geschäftsführer am IÖW. „Neben dem Rückgriff auf die eigenen Erfahrungen im Feld Arbeit und Umweltschutz können die fundierten Kompetenzen von Nichtregierungsorganisationen eine wichtige Ressource für Gewerkschaften darstellen. Aber auch umgekehrt: Die Win-Win-Potenziale sind groß.“

Während bei den Gewerkschaften deutliche Forschritte in der Debatte von Nachhaltigkeitsthemen festgestellt werden können, konstatieren die Experten noch eine Lücke auf der betrieblichen Ebene. So öffneten sich viele Betriebsräte nur zögerlich für diese Themen und überließen diese häufig allein den CSR-Abteilungen im Unternehmen. Dabei könnten die Arbeitnehmervertretungen eine wichtige Funktion als Balancierungs- und Kontrollfaktor in unternehmerischen CSR-Prozessen übernehmen.

Die Fachtagung „Gewerkschaften, NGOs und CSR: Zwangsehe oder friedliche Koexistenz“ hat gezeigt, dass ein weiteres Kennenlernen und ein intensiverer Austausch zwischen Gewerkschaften und NGOs notwendig und erwünscht sind. Während die Unternehmensleitung sowohl mit betrieblichen Arbeitnehmervertretungen und NGOs Kontakte hält, stehen die beiden letzteren noch zu wenig im Austausch. „Das Dreieck zwischen den drei Akteursgruppen muss nun auf der Seite zwischen Arbeitnehmervertretungen und NGOs geschlossen werden“, so das Resümee von Zimpelmann.

Die Tagung fand im Rahmen des Forschungsprojektes „Soziale Nachhaltigkeit und CSR in transnationalen deutschen Unternehmen. Arenen, Akteure, Prozesse“ statt. Das Kompetenzzentrum Glokal und das IÖW erforschen im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, wie die betrieblichen Akteure der Mitbestimmung Handlungsstrategien zu Nachhaltigkeitsthemen wie Klimaschutz, Globale Arbeits- und Sozialstandards oder Gleichstellung entwickeln und umsetzen können. Aufgabe des Projektes ist die Analyse von Interaktionsmöglichkeiten für die Akteurinnen und Akteure der "Betriebsverfassungs-" mit denen der "CSR-Arena".

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