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Soziale Kriterien in der freiwilligen Zertifizierung von BiokraftstoffenDemokratische Legitimität in nicht-staatlichen Governanceformen

Zunächst als Wunderwaffe gegen den Klimawandel und die Abhängigkeit von Öl und als Chance für die ländliche Entwicklung vor allem in ärmeren Regionen gepriesen, wurde in der jüngeren Vergangenheit heftige Kritik an den ökologischen und sozialen Auswirkungen einer verstärkten Biokraftstoffnutzung laut. Eine mögliche Lösung für diese Probleme, die nun zunehmend diskutiert wird, ist die Zertifizierung von Biokraftstoffen. Im Zuge dieser Diskussion entstand in den letzten Jahren eine breite Palette an Zertifizierungsinitiativen. Allerdings wird die Zertifizierung von Biokraftstoffen meist im Hinblick auf die ökologischen Auswirkungen diskutiert. Insbesondere bei der diesbezüglichen staatlichen Regulierung, allen voran ist hier die EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie zu nennen, werden verbindliche Sozialkriterien meist nicht berücksichtigt. Nicht-staatliche, freiwillige Zertifizierungsinitiativen in diesem Bereich andererseits schließen soziale Kriterien oft mit ein und gelten daher als Hoffnungsträger, wenn es darum geht, diese Lücke in der staatlichen Regulierung zu schließen. Ziel dieses Artikels ist es, zu untersuchen, inwieweit soziale Kriterien in den derzeit relevantesten Zertifizierungssystemen für Biokraftstoffe berücksichtigt werden und inwiefern sie damit in der Lage sein könnten, die in sie gesetzten Hoffnungen tatsächlich zu erfüllen. Von besonderem Interesse ist dabei, inwiefern dies seitens der privaten Governanceinitiativen in einer demokratisch legitimierten Form passieren kann. Um sich mit diesen Fragen aus wissenschaftlicher Perspektive zu befassen, wird zunächst ein analytischer Rahmen zur Bewertung der Legitimität privater Governance vorgestellt. Basierend auf diesem Rahmen wird die Berücksichtigung von sozialen Kriterien in den ausgewählten Initiativen untersucht. Um die demokratische Legitimität bewerten zu können, werden daraufhin die Mitgliederstrukturen der Initiativen mit dem Ziel analysiert, die strukturelle Repräsentation sozialer Interessen bestimmen zu können. Darüber hinaus werden anschließend die Monitoring- und Konfliktlösungsmechanismen analysiert, welche die Gemeinwohlorientierung der Initiativen gewährleisten sollen. Die Ergebnisse dieser Analyse können Aufschluss über einen Teil der spezifischen, insbesondere demokratisch-legitimatorischen Herausforderungen geben, welche die freiwillige Zertifizierung von Biokraftstoffen mit sich bringt. Abschließend werden diese Ergebnisse vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der EU hinsichtlich der freiwilligen Zertifizierung von Biokraftstoffen kontextualisiert und bewertet.

Im Portal „Ökologisches Wirtschaften Online“ (www.oekologisches-wirtschaften.de) steht dieser Beitrag zum freien Download zur Verfügung: Artikel herunterladen

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