Glaubt man der Bundesregierung, steht die Wirtschaft an der Schwelle zu einer neuen industriellen Revolution. Ein Schlüssel für diese „Industrie 4.0“ (BMBF 2013: Zukunftsprojekt Industrie 4.0) wird in der Entwicklung intelligenter Fabriken in smarten industriellen Wertschöpfungsnetzwerken gesehen, die über eine umfassende Verknüpfung von Informations- und Produktionstechnik realisiert werden sollen.
Der geplante Workshop nimmt im Vergleich dazu eine komplementäre Perspektive ein, indem er die nicht-technischen Aspekte einer zunehmenden Vernetzung, Dezentralisierung und Digitalisierung der Produktion hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Implikationen diskutiert. Die Gründe dafür sind dreierlei:
- Erstens betten sich zukunftsfähige Produktionsstrukturen in übergreifende Kontexte nachhaltiger Entwicklung ein, die neben den ökologischen Effekten bspw. auch demographische und sozialstrukturelle Dynamiken berücksichtigen müssen.
- Zweitens betreffen die skizzierten Transformationsprozesse nicht ausschließlich die Industrie im engeren Sinn, sondern verstärkt auch gesellschaftliche Akteure außerhalb industrieller Strukturen, die sich die neuartigen technologischen Möglichkeiten ihrerseits zu Nutze machen, um innovative Kollaborati-ons- und Produktionsmuster für nutzergetriebene Wertschöpfungssysteme zu erschließen.
- Drittens lösen sich etablierte Akteursrollen (Produzent/Konsument, Entwickler/Nutzer) im Kontext der vierten industriellen Revolution weitgehend auf, was zwar nicht zwingend mit einer „Demokratisierung“ des Produktions- und Innovationsgeschehens einher gehen muss, die Gestaltungsspielräume der Nutzer bzw. Konsumenten jedoch signifikant erhöht.
Vor diesem Hintergrund richtet sich das Erkenntnisinteresse des Workshops auf die Nutzungsoptionen neuartiger technologischer Möglichkeiten (3D Druck, Social Media u. a.) im Kontext bottom-koordinierter Wertschöpfung, den Wandel von Akteursrollen in vernetzten Produktionsprozessen, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einer dezentralisierten Wirtschaft sowie die ökologischen und kulturellen Folgen einer fortschreitenden Vernetzung, Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitswelt. Diese Fragen sollen sowohl konzeptionell als auch anwendungsorientiert diskutiert werden.
Programm
10:00 - Begrüßung und Vorstellungsrunde der Teilnehmer
10:15 - Intro – Transformationspfade einer neuen industriellen Revolution | Ulrich Petschow
10:45 - Das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 der Hightech-Strategie | Wolfgang Dorst
11:30 - Reclaiming Production | Sascha Dickel
12:15 - Mittagspause
13:00 - Social Mass Customization - Im Spannungsfeld zwischen industrieller Fertigung und DIY | Marlene Vogel
13:45 - Fab Labs und Digital Fabrication | Wolf Jeschonnek
14:30 - Die Zukunft der Produktion liegt in der Stadt | Niels Boeing
15:15 - Kollaboratives Arbeiten als Treiber von Innovation | Nele Kapretz
16:00 - Zusammenfassung, Diskussion, Ausblick
Anreise
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Potsdamer Straße 105
10785 Berlin
Kontakt: Dr. Sascha Dickel
Tel. +49 (30) 884594-28
sascha.dickel@ioew.de