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Arbeitskräfte besser qualifizieren: Projekt Quincy will sensor-unterstütztes Lernen auf Großbaustellen ermöglichen

Quincy-Projektteam zu Gast an der Universität Kassel, Foto: IÖW.

Volle Auftragsbücher, aber auf den Baustellen fehlt das Personal. Kann digitale Innovation dieses Problem lösen und zugleich Arbeitsbedingungen verbessern? Das Forschungsprojekt Quincy entwickelt ein smartes Lern- und Assistenzsystem für Montagearbeiten auf großen Solar-Freifeldanlagen. Sensoren sollen Tätigkeiten erkennen, passende Lerninhalte bereitstellen und Feedback geben – etwa um eine gesunde Körperhaltung zu schulen. Am 12. März 2026 stellte das Team seine Ideen auf dem 72. Frühjahrskongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaften (GfA) in Kassel vor.

„Quincy baut eine Brücke zwischen mehreren hochaktuellen Herausforderungen: Mit dem Projekt wollen wir dem Fachkräftemangel begegnen, die Digitalisierung ethisch verantwortlich gestalten, Nachhaltigkeitsinnovationen in Europa verbreiten und die Energiewende beschleunigen“, sagt Projektleiter Dr. Christian Lautermann, Ökonom am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). 

Teil des transdisziplinären Teams sind zudem Digitalisierungsforschende des August-Wilhelm Scheer Instituts, der Bereich Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Kassel und der Industriepartner MEISER Solar, der Unterkonstruktionen für Solarparks baut. 

Menschengerechte Arbeit im digitalen Zeitalter

„Wir setzen uns dafür ein, Arbeitsprozesse auf Baustellen humanzentriert und ergonomisch zu gestalten. Gerade bei der Montage von Solaranlagen zeigt sich, wie wichtig es ist, körperliche Belastungen zu reduzieren und die Gesundheit der Arbeitskräfte nachhaltig zu fördern“, so Ingenieur Dr. Mehrach Saki von der Universität Kassel. 

Auf dem Kongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaften unter dem Motto „Menschengerechte Arbeitsgestaltung“ gab das Projekt Impulse, wie innovative Technik verantwortungsvoll und nutzerfreundlich entwickelt werden kann. 

Farzaneh Norouzinia, Digitalisierungsexpertin am August-Wilhelm Scheer Institut, betont: „Für uns geht es bei Quincy darum, aus Daten echten Nutzen für Menschen zu machen.“ Eine KI-unterstützte Software soll anhand von Sensordaten, etwa aus Smartphones oder Fitness-Armbändern, Tätigkeiten der Arbeitskräfte erkennen. Das System weiß zugleich, welche Aufgaben wo und in welcher Reihenfolge anfallen und achtet auf körperliche Belastungen. So gibt es unmittelbares, individuelles Feedback und Anweisungen. 

Der Mehrwert: Auch ungelernte Arbeiter*innen können schnell eingearbeitet werden und profitieren so von neuen beruflichen Perspektiven. Zugleich soll das ergonomische Feedback Ausfälle reduzieren und das Wohlbefinden steigern.

Von der Baustelle zur Marktreife durch ein europäisches Kollaborationsnetzwerk 

Als eines von zehn EuKoNet-Projekten arbeitet Quincy daran, in europäischen Kollaborationsnetzwerken eine moderne Arbeitsgestaltung voranzubringen. Es gehört zum Programm „Zukunft der Wertschöpfung – Forschung zu Produktion, Dienstleistung und Arbeit“ und wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert. 

Im Quincy-Netzwerk können Unternehmen am Innovationsprozess teilhaben, zunächst im Bereich Solarparkbau. In einem späteren Schritt sind weitere Akteure etwa aus dem Schienen- und Straßenbau dazu eingeladen, über eine Ausweitung des sensor-unterstützen Lernens und Arbeitens auf ihre Branchen ins Gespräch zu kommen. Interessierte können gern mit dem Projektteam Kontakt aufnehmen.

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