Suffizienz, Technologie und geeignete Rahmenbedingungen müssen zusammengedacht werden, um das Potenzial privater Photovoltaik-Haushalte wirksam für die Energiewende zu nutzen. So lautete das Fazit einer Fachveranstaltung des Forschungsprojekts ProSuffizienz am 15. April 2026 auf den Berliner Energietagen. Denn der von Prosumern erzeugte Strom ist ein wichtiger Baustein für die Dekarbonisierung des Strom-, Wärme- und Mobilitätssektors in diesen Haushalten und darüber hinaus und macht Prosumer nach wie vor zu einem wichtigen Bestandteil der Energiewende.
Die Veranstaltung von co2online, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg und der Deutschen Gesellschaft Sonnenenergie diskutierte empirische Forschungsergebnisse und deren Bedeutung für Praxis und Regulierung. Auf Basis mehrerer Impulsvorträge ging es in einer übergreifenden Podiumsdiskussion darum, wie Prosuming sich in Zukunft verändert, welche Zielkonflikte zwischen Autarkie, Wirtschaftlichkeit, Suffizienz und Netzdienlichkeit bestehen – und wie diese reduziert werden können.
Rebound-Effekte kaum messbar – wenn Sektorkopplung mitgedacht wird
Monika Orlowski (IÖW) präsentierte Ergebnisse eines Feldtests im Projekt ProSuffizienz und machte deutlich: Rebound‑Effekte bei Hausbesitzenden mit Photovoltaikanlage sind nach Berücksichtigung von Substitutionseffekten durch Maßnahmen der Sektorkopplung – etwa Wärmepumpen oder E‑Autos – kaum noch statistisch messbar. Dies zeigt: Entscheidend ist eine systemische Betrachtung des Haushalts.
Neues Instrument für mehr Transparenz: der Stromspiegel PV
Nadine Walikewitz (co2online) stellte den im Projekt entwickelten Stromspiegel PV vor. Mit diesem Instrument erhalten Prosumer‑Haushalte einen Benchmark, mit dem sie ihren Stromverbrauch mit dem ähnlicher Haushalte vergleichen können. Das stärkt Transparenz und unterstützt suffizientes Verhalten.
Empfehlung: Sektorkopplung statt maximale Eigennutzung
Lars Brischke (ifeu) betonte, dass PV‑Haushalte nicht nur auf maximale Eigenstromnutzung schauen sollten. Stattdessen sei es sinnvoll, gezielt Richtung Sektorkopplung zu denken, um den Haushalt insgesamt zu dekarbonisieren und Rebound‑Effekte zu vermeiden, so die Empfehlungen des Projekts ProSuffizienz.
Politischer Rahmen: Attraktive finanzielle Bedingungen weiter wichtig
Berit Müller (DGS) ordnete die Ergebnisse energiepolitisch ein und hob hervor: Eine Einspeisevergütung sollte so lange beibehalten werden, bis es für private PV‑Besitzende attraktive Möglichkeiten der Vermarktung ihres Solarstroms gibt.
Über das Projekt
Das Forschungsprojekt ProSuffizienz im Förderschwerpunkt „Energiewende und Gesellschaft“ des Bundeswirtschaftsministeriums untersucht, wie private Prosumer-Haushalte zu einer suffizienten und sozialverträglichen Energiewende beitragen können. Im Fokus stehen Wechselwirkungen zwischen Eigenstromerzeugung, Verbrauchsverhalten, Sektorkopplung und möglichen Rebound‑Effekten. Ziel des Forschungsprojekts ist es, wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse für Politik, Beratung und Haushalte bereitzustellen.
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