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"Deutschland sollte Vorreiter eines weltweiten Ausstiegs aus der Atomkraft sein"

„Mit großer Sorge verfolgen wir am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) die aktuellen Ereignisse in Japan“, erklärt Thomas Korbun, der Wissenschaftliche Geschäftsführer des IÖW. „Unsere Gedanken sind bei den Menschen, die von der schweren Naturkatastrophe betroffen sind und denen nun eine nukleare Katastrophe droht.

25 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl führen uns die Bilder der außer Kontrolle geratenen Atomkraftwerke die Unbeherrschbarkeit dieser Hochrisikotechnologie und die große Bedrohung, die von ihr ausgeht, erneut in dramatischer Weise vor Augen. Angesichts des möglichen Ausmaßes und der Unumkehrbarkeit der Schäden bleibt das Restrisiko der Atomkraft unverantwortlich hoch.

Wir fordern daher den schnellen und geordneten Ausstieg aus der Atomkraft weltweit. Deutschland kann und sollte in dieser Frage eine Vorreiterrolle einnehmen. Die Voraussetzungen dafür sind gerade hierzulande gut, da längst genügend Alternativen für eine klimafreundliche Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien bekannt und erprobt sind.

Vor diesem Hintergrund halten wir das von der Bundesregierung angekündigte Moratorium für die Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke für unzureichend. Die Laufzeitverlängerung erhöht das Risiko, das von der Atomkraft in Deutschland ausgeht, und sie behindert die Wende zu erneuerbaren Energien. Deshalb halten wir es für geboten, die ältesten und unsichersten Atomkraftwerke in Deutschland sofort stillzulegen. Die anderen müssen nach einem verbindlichen Zeitplan folgen.

Die Energiewende ist nicht umsonst zu haben. Für sie sind Investitionen in Produktion, Netze und Speicher sowie weitere Innovationen notwendig. Angesichts des Klimawandels und der Endlichkeit der fossilen Rohstoffe ist sie alternativlos. Je früher konsequent gehandelt wird, umso günstiger wird das Umsteuern sein.

Die Atomkraft verursacht ihrerseits hohe gesellschaftliche Kosten, nicht nur im Falle der schlimmsten Katastrophe. Die sichere Endlagerung der strahlenden Abfälle für zehntausende Jahre ist beispielsweise teuer und nach wie vor ungelöst.

Der Ausstieg aus der Atomkraft hat nicht nur Folgen für die Energiepolitik. Auch Forschungspolitik und Innovationsförderung müssen die Energiewende konsequenter als bisher unterstützen. Die Forschungsförderung im Bereich der Atomkraft sollte – soweit sie nicht für die Sicherheit bestehender Anlagen und für die Stilllegung und Endlagerung erforderlich ist – sofort eingestellt werden. Im Rahmen der Entwicklungspolitik und der technischen Zusammenarbeit sollte Deutschland andere Länder bei der Energiewende unterstützen und so den Bau weiterer Atomkraftwerke verhindern. Für den Bau von neuen Atomkraftwerken sollten keine Exportbeihilfen oder Bürgschaften gewährt werden. Weiter sollte sich die Bundesregierung für die Ächtung der Atomkraft im Rahmen internationaler Abkommen einsetzen.“

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