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Energiewende in Japan? IÖW stellt Wertschöpfungsmodell in Tokio vor

Der Minamisoma Solar Agripark in der Region Fukushima. (Bildquelle: Steven Salecki / IÖW)

IÖW-Energieexperte Steven Salecki präsentiert das IÖW-Wertschöpfungsmodell (Bildquelle: Andreas Prahl / IÖW)

Ist eine Energiewende in Japan denkbar? Ökonomisch sinnvoll und weniger gefährlich wäre ein Wechsel zu Erneuerbaren Energien auf jeden Fall für Japan – das hat die Katastrophe von Fukushima verdeutlicht. Auf der Deutsch-Japanischen Forschungskonferenz „Economic Effects of Renewable Energy“ an der Ritsumeikan University in Tokio Anfang Februar präsentierten die IÖW-Wissenschaftler Andreas Prahl und Steven Salecki das IÖW-Wertschöpfungsmodell für Erneuerbare Energien. Die Konferenz wurde von Prof. Jörg Raupach-Sumiya vom wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereich der Ritsumeikan University zusammen mit der Friedrich-Ebert Stiftung und dem Institute for Sustainable Energy Policies (ISEP) veranstaltet.

IÖW erstellt Analyse der Wertschöpfungspotenziale für EE in Japan

IÖW-Energieexperte Steven Salecki gab auf der Deutsch-Japanischen Forschungskonferenz „Economic Effects of Renewable Energy“ in Tokio am 4. Februar 2014 eine detaillierte Übersicht über das Wertschöpfungsmodell für Erneuerbare Energien des IÖW. Das Modell wurde 2010 am IÖW entwickelt und ist seither weiterentwickelt und mehrfach erfolgreich für Regionalstudien angewandt worden. Steven Salecki stellte zudem die Ergebnisse einer deutschlandweiten Hochrechnung der ökonomischen Effekte der Erneuerbaren Energien dar und zeigte auf, welche Akteure in welchem Ausmaße profitieren. Den ca. 40 zumeist japanischen Zuhörern wurde deutlich, dass der dezentrale Charakter, aber auch die Wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren Energien ökonomische Chancen für eine Vielzahl von regionalen Akteuren, aber auch für die exportstarke Industrie Japans bieten. Prof. Raupach-Sumiya von der Ritsumeikan University stellte abschließend die von ihm in Kooperation mit dem IÖW vorgenommene Berechnung der Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte japanischer EE-Anlagen vor und machte am Beispiel der Präfektur Fukushima die Potentiale dieser Technologien deutlich.

Japan im Umbruch

In Japan ist das Interesse an Erneuerbaren Energien seit der Katastrophe von Fukushima deutlich gestiegen. Obwohl die Regierung weiter die Atomkraft priorisiert, gibt es immer mehr Städte und Kommunen, die auf eine dezentrale Energieversorgung durch Erneuerbare Energien setzen. Die Stadt Minamisoma in der Region Fukushima, die zum Teil in der 20 km-Sperrzone um die zerstörte Nuklear-Anlage liegt, wurde ebenso durch den Tsunami in großen Teilen zerstört. Gerade hier ist ein erster Solarpark ans Netz gegangen, der Minamisoma Solar Agripark. Neben Solarstrom bietet der Park Schulkindern die Gelegenheit mehr über die Funktionsweise Erneuerbarer Energien zu erfahren und zu zeigen, dass hierbei weder Abgase noch Strahlung entstehen. Das Projekt ist in den (japanischen) Medien weit verbreitet und gilt als Leuchtturm-Projekt für die Entwicklung von Erneuerbaren Energien in der Region. Auf einem Town Meeting sprachen sich der Bürgermeister und auch Einwohner Minamisomas für die Bedeutung eines Umdenkens in der Energiefrage aus.


Community Power Conference 2014

Bereits im Vorfeld der Forschungskonferenz in Tokio hatten sich die IÖW-Energieexperten Steven Salecki und Andreas Prahl mit den Teilnehmern/innen der „Community Power Conference 2014“ am 1. und 2. Februar in der Region Fukushima über Strategien zur Förderung Erneuerbarer Energien ausgetauscht. Andreas Prahl präsentierte aktuelle Ergebnisse des IÖW-Wertschöpfungsmodells für Deutschland und nahm an einer Podiumsdiskussion teil, die sich mit den Potenzialen nachhaltiger Wirtschaftsförderung in Kommunen auseinandersetzte. Zusammen mit den anderen Teilnehmern/innen aus Deutschland und Japan unterstrich er die positiven ökonomischen Effekte Erneuerbarer Energien für die Region. Abschließend stellt Tetsunari Iida, Leiter des ISEP, die Fukushima Community Power Declaration vor, die wichtige Ziele der Transformation des japanischen Energiesystems aufzeigt. Betont wurden der regionale Charakter der Versorgung mit Erneuerbaren Energien, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und demokratische Elemente als Aspekte der Abkehr von der Abhängigkeit fossiler und nuklearer Versorgungsstrukturen. Zum Abschluss der Konferenz stellten die Teilnehmer/innen die Ergebnisse und ihre Eindrücke bei einem Round Table den japanischen Parlamentsabgeordneten vor. Ihr Fazit: In vielen Ländern ist die Energiewende bereits auf einem guten Weg und es gibt viele Projekte, die Japan als hilfreiches Beispiel dienen können, ihre eigene historische Abkehr von der Atomenergie zu unterstützen. Die bereits aktiven japanischen Akteurinnen und Akteure betonten aber auch, dass nicht wenige und ebenso nicht kleine Hindernisse bestehen, die noch überwunden werden müssen.

Die Region Fukushima hat sich dazu verpflichtet, ihr Energiesystem bis 2040 komplett auf Erneuerbare Energien umzustellen. Im Moment bezieht die Region 22 % ihrer Primärenergie aus erneuerbaren Energiequellen.

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