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Fragen eines alternativen Lebens: Erster Berliner Postwachstums-Slam

Foto: Nicolai Herzog

Eine Bühne, sieben Slammer/innen, je zehn Minuten Zeit für Postwachstum. Am 14. Juni 2017 fand in den Kreuzberger Prinzessinnengärten der erste Postwachstums-Slam statt. Das Wachstumsparadigma als politisches Leitmotiv, Meditation als Ausweg aus der Konsumgesellschaft oder die Rolle konvivialer Technik in der Postwachstumsgesellschaft – viel Anregung für ein Leben nach dem Wachstum. Der Slam wurde organisiert von IÖW, Netzwerk n, Fairbindung und dem Förderverein Wachstumswende.

Die Beiträge des Abends waren bunt gemischt: Ergebnisse praktischer Studien und theoretische Forschungsarbeiten, aber auch poetische Slamtexte beleuchteten Postwachstum von allen Seiten. Auf Nachfrage der Moderatorin Josefa Kny von der Stiftung Futurzwei konnten alle Slammer/innen beschreiben, wie ihr Leben in der Postwachstumsgesellschaft aussähe. Häufigste Antwort: keine Vollzeitstelle mehr annehmen und bewusster konsumieren.

Zu Beginn stellte Matthias Schmelzer die Geschichte des Wachstumsparadigmas und dessen Kritik vor. Der Fokus der Politik auf Wachstum sei unangebracht, sind doch die ökologischen Grenzen längst überschritten. Das Paradoxe daran: „Je weniger Wachstum es gibt, desto stärker der Fokus darauf“.

„Weniger Superhelden und mehr Teddybären“

Sonja Geiger von der TU Berlin stellte ihr Forschungsprojekt vor und fragt sich, ob die Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein, nachhaltigem Konsum und tatsächlichem immer noch oft umweltschädlichem Handeln durch Meditation verringert werden kann. Mindestens könne regelmäßiges Meditieren dazu führen, dass man zufriedener wird, mit dem was man hat. Für Meditation und einen Ausstieg aus der Leistungsgesellschaft hat auch Jan Peter Schulz argumentiert. Das nach immer mehr, weiter und höher strebende Individuum wurde zum Vorbild und die Gesellschaft produziere einen Druck, immer Superheld zu sein. Es sei stattdessen an der Zeit, sich selbst nicht länger als „Mangelwesen“ zu verstehen und das „Jetzt“ mehr wertzuschätzen. Kurz: „Wir brauchen weniger Superhelden und mehr Teddybären.“

Konviviale Technik, unternehmerische Freiheit und Gedichte für Aussteiger

Hermine Bähr forderte einen lebendigen Diskurs innerhalb und außerhalb der Wissenschaft, damit die Forschung tatsächlich zum Wandel beiträgt. Mit mehr praktischen Beispielen gäbe es auch mehr Geschichten, die unsere Wahrnehmung und Vorstellungen prägen. Auch IÖW-Fellow Jana Gebauer wünscht sich, dass sich die Wahrnehmung verändert: Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) sind bereits viel unabhängiger vom Wachstum, als ihnen zugeschrieben wird. Sie entscheiden sich bewusst gegen Wachstum, um stattdessen mehr unternehmerische Freiheit zu behalten.

Andrea Vetter vom Konzeptwerk Neue Ökonomie erklärte die Idee von konvivialer Technik und die techno-imaginären Möglichkeiten einer Postwachstumsgesellschaft: Was soll Technik in einer Postwachstumsgesellschaft bedeuten? Sie stellte klar, dass es möglich ist, Technologien lebensfreundlich – also konvivial – zu gestalten.

Bastian Geiken trug drei Gedichte vor, in denen der Wunsch danach durchklang, etwas zu ändern und aktiv zu werden: „Protest ist tausendmal besser als nur hochnäsig dahin zu reden.“ Das Publikum und die Slammer/innen waren sich einig: Jede/r selbst hat die Möglichkeit, die Welt zu verändern.

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Mehr zum Thema Postwachstum hier: www.postwachstum.de

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