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GETIDOS-Conference: Wie Sozialunternehmen im Wassersektor nachhaltig Wirkung entfalten

Welchen Beitrag können internationale Social-Entrepreneurship-Initiativen für eine nachhaltige Trinkwasser- und Sanitärversorgung leisten? Diese Frage untersuchte die Forschungsgruppe GETIDOS von Wissenschaftler/innen der Universität Greifswald und des IÖW über drei Jahre und diskutierte nun die Ergebnisse ihrer Fallstudien mit den Praxispartnern. Die GETIDOS-Conference vom 16. bis 18. September 2012 bei der KfW in Frankfurt/Main fand in Kooperation mit der Konferenz der Community Impact Development Group (CIDG) von Siemens Stiftung und Ashoka statt. In gemeinsamen Workshops tauschten sich Forschung und Praxis international aus. Deutlich wurde, dass die Sozialunternehmen von der Kooperation und dem Wissensaustausch untereinander stark profitieren können. Allerdings zeigte sich auch, dass für eine nachhaltige Wirkung der Innovationen die gängige Förderpraxis überdacht werden muss.

Komplementäres Wissen nutzen – Gemeinsam wachsen

Die Ergebnisse von Einzelanalysen und daraus abgeleiteten Empfehlungen wurden im ersten Konferenzteil exklusiv mit jenen Praxispartnern etwa aus Indien oder der Slowakischen Republik diskutiert, deren Social-Entrepreneurship-Initiativen von GETIDOS untersucht worden waren. Auf Basis der individuellen Analyseergebnisse loteten die Sozialunternehmer/innen Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus, um das komplementäre Wissen der Initiativen für eine wechselseitige Unterstützung und Erweiterung der verschiedenen Ansätze zu nutzen. Dabei wurden konkrete Vereinbarungen getroffen, deren Umsetzung noch innerhalb der Projektlaufzeit von GETIDOS in 2013 beobachtet werden kann.

Wie können Social Entrepreneurship-Initiativen besser gefördert werden?

Der zweite Teil der Konferenz zielte darauf ab, den Förderbedarf und die Förderbedingungen für die Verbreitung der Innovationen von Social Entrepreneurship-Initiativen herauszuarbeiten. Dazu organisierte das GETIDOS-Team in Kooperation mit Ashoka und der Siemens-Stiftung mehrere Workshops. Im Austausch zwischen Sozialunternehmer/innen aus aller Welt und deutschen Förderorganisationen wurden unterschiedliche kollaborative Skalierungsansätze diskutiert. GETIDOS-Koordinator Dr. Rafael Ziegler würdigte dabei den Ansatz, nicht schlicht auf das Wachstum der einzelnen Organisationen, sondern auf die Verbreitung der Ideen durch Zusammenarbeit und Vernetzung vieler Akteure zu setzen. Dies entspreche auch der Vorgehensweise vieler Sozialunternehmer/innen im Wassersektor. Kritisch anzumerken sei allerdings, dass Skalierung noch zu stark mit Blick auf die globale, also räumliche Ausbreitung der Ideen und zu wenig mit Blick auf deren zeitliche Tiefe und Verstetigung gedacht und gefördert werde.

Geduldige Investoren gesucht

Die GETIDOS-Analysen zeigen, dass es geduldiger Investoren bedarf, damit die Innovationen langfristige Wirkungen entfalten können. In vielen Fällen müssten zudem erst die Voraussetzungen geschaffen oder verbessert werden, unter denen eine langfristige Wirkung eintreten kann, was gegebenenfalls weitere Investitionen, etwa in die Wiederherstellung des Naturkapitals, erfordert. Im Blogbeitrag „Ideas Changing Minds or Money Changing Hands?“ für die Stanford Social Innovation Review gehen Rafael Ziegler von der Universität Greifswald und IÖW-Wissenschaftlerin Jana Gebauer darauf ein.

Bedingungen zur Verbreitung von SE-Lösungsansätzen

Die Konferenz schloss mit dem GETIDOS-Expertenworkshop „Scaling strategies for innovative sanitation concepts in informal settlements“. IÖW-Mitarbeiterin Franziska Mohaupt leitete den Austausch der Forschungsgruppe mit Social Entrepreneurs und Expert/innen der Entwicklungszusammenarbeit zur Sanitärversorgung speziell in urbanen Slums in Sub-Sahara-Afrika. Diskutiert wurden insbesondere die Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung und Verbreitung von Lösungsansätzen. Am Beispiel eines Sozialunternehmens, das sich in den Slums von Nairobi engagiert, zeigte sich, dass Social Entrepreneurs aufgrund ihres unternehmerischen Ansatzes eine andere Perspektive auf die Herausforderung einnehmen, Millionen von Slumbewohner/innen Zugang zu sanitären Einrichtungen zu ermöglichen. Dadurch bedienen Sozialunternehmen häufig andere Wirkmechanismen als klassische NGOs, die den Trends und Förderrichtlinien internationaler Geldgeber unterworfen sind. Letztere sprechen etwa eher von „Zuwendungen“ und „Hilfeempfängern“, während Social Entrepreneurs in unternehmerischen Kategorien wie „Investitionen“ und „Kund/innen“ denken. Auch werden zivilgesellschaftliche Organisationen oft in befristeten Projekten tätig, während die Gründung eines Sozialunternehmens ein langfristiges unternehmerisches Engagement und eine entsprechende Planung voraussetzt. Dazu gehört auch ein intensiver Kontakt zu den Kund/innen, was sich für die notwendige Verhaltensänderung hin zu einem besseren Hygieneverhalten als förderlich herausgestellt hat.

Mehr zum Projekt GETIDOS: www.getidos.net

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