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Grüne Freiräume sind Gold wert: Studie zeigt, wie viel Parks für die Stadtbevölkerung leisten

Ob alt oder jung – fast alle Stadtbewohner*innen nutzen öffentliche Parks regelmäßig. Gerade wachsende Städte brauchen neue Strategien für ihre Grünanlagen, um mit gestiegener Nachfrage und Nutzungskonflikten umzugehen. Auch spüren die Städte bereits Folgen des Klimawandels wie intensivere Hitzeperioden oder Starkregenereignisse und stehen daher zunehmend unter Druck. Wie Städte den gesellschaftlichen Wert von Parks sowie Gärten besser erkennen, fördern und vergrößern können, zeigen neue Forschungsergebnisse des Projekts GartenLeistungen, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, in der Broschüre „Der Wert urbaner Gärten und Parks“.

Je nach Größe, Lage und Ausgestaltung erbringen Parks und Gärten einen gesellschaftlichen Nutzen zwischen einigen hunderttausend und mehreren Millionen Euro pro Jahr. Zu dieser Bewertung kommt das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), das gemeinsam mit elf Partnern aus Forschung und Praxis Parks und Gärten in Berlin und Stuttgart untersuchte. „Zwar kostet eine gute Parkpflege Geld, doch die grünen Oasen geben der Gesellschaft ein Vielfaches davon zurück“, erklärt Projektleiter Prof. Jesko Hirschfeld vom IÖW. „Sie erbringen unverzichtbare Leistungen, etwa beim Schutz vor Hitze und Starkregen, und bieten Räume für Naturerfahrung sowie sozialen Austausch. In diesen Mehrwert sollten Städte investieren und ihre Grünflächenämter deutlich besser ausstatten. Wer hier weiterhin den Rotstift ansetzt, handelt gegen den erklärten Willen der Stadtbevölkerung und schadet ihrer Gesundheit und Lebenszufriedenheit – das hat unsere Studie klar ergeben.“

Sozialer Treffpunkt: Parks sind gefragt

Bei einer repräsentativen Umfrage des Forschungsprojekts in Berlin und Stuttgart im Herbst 2020 gaben 95 Prozent der Befragten an, dass sie in den letzten zwölf Monaten mindestens einen öffentlichen Park besucht haben. Die Hälfte der Befragten nutzt Parks sogar wöchentlich oder öfter. Malte Welling vom IÖW sagt: „Kaum ein Freizeitangebot in Städten dürfte von so einer breiten Mehrheit genutzt werden wie die öffentlichen Parks, die als Erholungsraum und sozialer Treffpunkt allen kostenlos und oft wohnungsnah zugänglich sind.“ 

Wertvoll für Klimaschutz, Stadtklima und Wohlbefinden

Nicht nur als Freizeit- und Lernort schaffen Parks gesellschaftlichen Wert, sondern auch als ökologisches Rückgrat der Städte: Bei einem Starkregenereignis kann der knapp 50 Hektar große Volkspark Hasenheide in Berlin beispielsweise ungefähr 4.500 Kubikmeter Niederschlag aufnehmen. Dadurch spart die Stadt pro Jahr 170.000 Euro, die sonst in den Ausbau der Kanalisation fließen müssten. Außerdem binden die Pflanzen dort jährlich 190 Tonnen CO2 und vermeiden dadurch Klimaschäden im Wert von über 30.000 Euro pro Jahr. „Zusammen mit dem sozialen und kulturellen Nutzen für die Bevölkerung in den umliegenden Stadtquartieren erbringt ein Park wie die Hasenheide jedes Jahr einen Nutzen im Wert von über drei Millionen Euro“, erklärt Prof. Hirschfeld und mahnt zugleich: „Wenn für Neubauten in der Stadt Grünflächen und Gärten verschwinden, sind die Kosten für die Stadtgesellschaft hoch. Dieser Konflikt lässt sich vermeiden, wenn Innenverdichtung nur auf bereits versiegelten Flächen oder als Aufstockung bestehender Gebäude umgesetzt wird – am besten gleich inklusive intensiver Dach- und Fassadenbegrünung.“

Praxisexperimente für eine vielseitige und rücksichtsvolle Nutzung

Das große Interesse an Parks führt besonders in wachsenden Städten zu einem steigenden Nutzungsdruck und vielseitigen Ansprüchen. Wie können Parks dem gerecht werden und eine gute Balance zwischen verschiedenen Nutzungsformen herstellen? Diese Frage untersuchte die Grün Berlin GmbH – ein landeseigenes Unternehmen, das verschiedene Berliner Parks und weitere grüne Infrastrukturen entwickelt, baut und betreibt: „Wir haben gemeinsam mit Parknutzer*innen verschiedene Mitmachaktionen entwickelt. Diese Realexperimente erproben Ansätze, Parks mit mehr Rücksicht und Aufmerksamkeit füreinander und für die Natur zu nutzen“, erklärt Vivien Franck von Grün Berlin. 

Im Park am Gleisdreieck experimentierten die Teilnehmenden etwa mit Tanztreffs an Sommerabenden – um Geselligkeit auch in Pandemiezeiten zu ermöglichen, dabei jedoch die Lautstärke und das Müllaufkommen möglichst gering zu halten. „Im Kienbergpark stand vor allem das Spannungsfeld zwischen Nutzung und Naturbelassenheit im Fokus“, ergänzt Franck. „Aufräumaktionen verknüpften wir mit Führungen durch das Ökosystem. Und in einem Citizen-Science-Projekt haben Bürger*innen auf einer Blühwiese 70 Wildblumenarten und 68 Insektenarten gezählt.“

Parks besser fördern

Neben dem Nutzungsdruck stellt auch der Klimawandel Parks zunehmend vor Herausforderungen: Trockenstress, Sturmschäden und veränderte Vegetationsperioden erfordern eine verstärkte Pflege und mehr Neupflanzungen. Damit Parks ihr volles Potenzial entfalten können, fordern die Forschenden gesamtstädtische Konzepte, klare Verantwortlichkeiten in der Verwaltung und angemessene Budgets für die Grünflächenpflege. 

Wie Rahmenbedingungen für eine bessere Förderung aussehen können, erprobt Berlin mit der „Charta für das Berliner Stadtgrün“. Mithilfe dieser Selbstverpflichtung will das Land seine öffentlichen Grünflächen schützen, stärken und weiterentwickeln. Die Charta, die in einem partizipativen Prozess entstand, benennt Ziele, Aufgaben und Maßnahmen, um die Qualität und Pflege des Stadtgrüns zu sichern. Dazu gehört auch die Aufwertung der vorhandenen Grünanlagen, um Nutzungsdruck und Klimawandel gerecht zu werden. 

Im Fokus der Ergebnisbroschüre des Projekts GartenLeistungen stehen neben Parks auch urbane Gemeinschaftsgärten. Mehr Informationen: www.gartenleistungen.de 
 

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Downloads und Links: 

Credits: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Berlin 2022 (CC BY-ND

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