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Klimawandel an der Ostsee: Nicht nur Risiken sondern auch Chancen – IÖW auf RADOST-Konferenz

Die Bedeutung des Ostseetourismus könnte zunehmen (Foto: Tschirner / pixelio.de)

Am 1. und 2. April stellte das KLIMZUG-Projekt RADOST im Rostocker Rathaus die Ergebnisse aus fünf Jahren Projektarbeit vor. Das IÖW hat in dem Projekt federführend eine sozio-ökonomische Analyse durchgeführt und untersucht, was der Klimawandel an der Ostseeküste kostet. Der Leiter des entsprechenden Moduls, IÖW-Ökonom Dr. Jesko Hirschfeld, berichtete auf der Konferenz, dass der Klimawandel bei den Akteuren aus Wirtschaft und Verwaltung vor Ort bislang vor allem in Bezug auf die Gefahr von Hochwasserereignissen auf der Agenda steht. Andere Gefahren, wie z.B. Sturm- oder Trockenheitsschäden erscheinen den Akteuren bislang noch als wenig relevant. An der RADOST-Abschlusskonferenz nahmen rund 110 Teilnehmer/innen aus Wissenschaft und Praxis teil. RADOST ist ein Verbundprojekt von 18 Partnern und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Anpassung der Ostseeküste an den Klimawandel = Küstenschutz?

Anpassungsmaßnahmen jenseits des Küstenschutzes seien bisher kaum bekannt, bzw. würden von den Akteuren als solche noch nicht wahrgenommen, berichtete Hirschfeld. Er stellte weiterhin Szenarien für die zukünftige Entwicklung des Ostseetourismus vor und wies darauf hin, dass neben dem Klimawandel auch ökonomische, gesellschaftliche, politische und ökologische Faktoren entscheidenden Einfluss auf die weitere Tourismusentwicklung in der Ostseeregion haben und im Zusammenhang betrachtet werden müssen.

IÖW-Wissenschaftler André Schröder stellte anschließend Ergebnisse einer auf Indikatoren basierten Betroffenheitsanalyse vor. Von 45 untersuchten Wirtschaftsbereichen könnten an der deutschen Ostseeküste neben dem Grundstücks- und Wohnungswesen vor allem die Wasser- und Energiewirtschaft sowie die Fischerei von Änderungen der Temperatur- und Niederschlagsregime betroffen sein.

Beispiel Tourismus: Regionalwirtschaftliche Bedeutung könnte zunehmen

Am Beispiel des Tourismus ging Schröder sodann auf die regionalwirtschaftlichen Effekte der Anpassung an den Klimawandel ein. Der ohnehin für die Ostseeregion mit einem Anteil von 9 % an der Gesamtbeschäftigung bedeutsame Tourismus könnte unter dem Einfluss des Klimawandels und weiterer sozioökonomischer Faktoren bis 2030 weiter an regionalwirtschaftlicher Bedeutung gewinnen. So könnte die Bruttowertschöpfung des Tourismus von derzeit 3,2 Mrd. € auf bis zu 4,5 Mrd. € in 2030 ansteigen. Wichtig sei jedoch, dass sowohl die Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, deren Gemeinden als auch Unternehmen ihre Anpassungsmöglichkeiten nutzen, um diese Potenziale zu erschließen.

Hirschfeld: „Noch kein Grund zur Panik, aber Probleme müssen angegangen werden“

Jesko Hirschfeld berichtete darüber hinaus über erste Ergebnisse der erweiterten Kosten-Nutzen-Analyse zur Anpassung. Sein vorläufiges Fazit lautet: Es besteht aktuell kein Grund, in Panik zu verfallen, doch die absehbaren Probleme sollten kurz- bis mittelfristig gelöst werden. Außerdem müssten die Weichen für eine klimarobuste Planung von Infrastrukturvorhaben rechtzeitig gestellt werden. Zudem sollte die Anpassung an den Klimawandel mit Blick auf andere Umweltprobleme z. B. im Gewässer- und Naturschutz erfolgen. Hier könnten Synergien erschlossen werden. Insgesamt sollten Entscheidungen auf Basis einer erweiterten Analyse von Kosten und Nutzen getroffen werden.

Wie müssen sich die Ostseehäfen an den Klimawandel anpassen?

Am zweiten Tag der Konferenz moderierte Hirschfeld das vom IÖW geleitete RADOST-Fokusthema „Häfen und maritime Wirtschaft“. Hier ging es u. a. um die Änderungen von extremen Wasserständen in der Ostsee, der Integration von Umweltdaten in die Optimierung von Schiffsentwürfen und mögliche Anpassungsmaßnahmen für die öffentlichen Lübecker Häfen. In diesem Block stellte André Schröder Projektergebnisse zu Anpassungsbedarfen und -kapazitäten der deutschen Ostseehäfen vor. Demnach müssen vordergründig tiefliegende Hafenterminals an den Meeresspiegelanstieg angepasst werden, wenn es zukünftig nicht häufiger zu Schäden und Betriebsunterbrechungen aufgrund von Überschwemmungen kommen soll. In der Regel ließen sich die notwendigen Anpassungsmaßnahmen im Rahmen von ohnehin anstehenden Neu- und Ersatzinvestitionen umsetzen, verbundenen mit moderaten zusätzlichen Kosten. Heiko Wenzel (CPL Competence in Ports and Logistics) präsentierte für das gemeinsam mit dem IÖW bearbeitete Anwendungsprojekt der öffentlichen Lübecker Häfen konkrete Zahlen, welche Kosten durch die verschiedenen Anpassungsszenarien auf die Häfen zukommen könnten. Der Block wurde mit zwei Statements von Vertreter/innen der Hafenverwaltungen aus Lübeck und Wismar geschlossen. Sie begrüßten die Sensibilisierung und die wissenschaftliche Aufbereitung des Themas durch das RADOST-Projekt und wollen die gewonnenen Erkenntnisse in zukünftige Hafenplanungen einfließen lassen.

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Alle Präsentationen und weitere Berichte zur Abschlusskonferenz stehen online zum Download, darunter:

  • André Schröder:  Betroffenheit der Ostseeregion von den Änderungen des Klimas
  • Jesko Hirschfeld et al.: Was kostet der Klimawandel an der Ostseeküste? - Akteursanalyse und sozioökonomische Zukunftsszenarien
  • André Schröder, Jesko Hirschfeld: Regionalwirtschaftliche Effekte der Anpassung an den Klimawandel
  • Jesko Hirschfeld et al.: Was kostet der Klimawandel an der Ostseeküste? – Erweiterte Kosten-Nutzen-Analyse
  • André Schröder, Jesko Hirschfeld: Die deutschen Ostseehäfen im Zeichen des Klimawandels

Berichte über die Projektergebnisse werden im Laufe dieses Jahres unter http://klimzug-radost.de/publikationen veröffentlicht.

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