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Kooperativen statt Facebook, Amazon & Co. – Jonas Pentzien erforscht, wie die Plattformökonomie demokratisiert werden kann

Um dem Plattformkapitalismus von Amazon, Facebook & Co. eine Alternative entgegenzusetzen, gibt es vielerorts Bestrebungen demokratische Plattformen aufzubauen. Welche rechtlichen Hindernisse gibt es für demokratisch kontrollierte Online-Plattformen? Und mit welchen Mitteln können solche Plattform-Kooperativen politisch gefördert werden? Dazu forschte IÖW-Wissenschaftler Jonas Pentzien für ein Jahr als Research Fellow am Institute for the Cooperative Digital Economy (ICDE) der New School in New York City. Pentziens Fazit: Plattform-Kooperativismus ist zwar ein globales Phänomen, aber immer auch Produkt des sozio-politischen Kontextes und nationaler Rahmenbedingungen. Bestehende globale Visionen müssten daher durch kontextspezifische Narrative ergänzt werden.

Feldforschung in den USA, Deutschland und Frankreich

Mit Gründung des neuen Institute for the Cooperative Digital Economy in New York City ernannte Gründungsprofessor Trebor Scholz den Politikwissenschaftler Jonas Pentzien als Research Fellow für das Jahr 2019. Um herauszufinden, wie Plattform-Kooperativen ihre politischen Rahmenbedingungen und die damit zusammenhängenden Herausforderungen wahrnehmen, sprach Pentzien mit mehr als 15 Gründer/innen und Mitgliedern solcher Kooperativen in den USA, Deutschland und Frankreich. Die Ergebnisse der qualitativen Untersuchung konterkarierte er in einem zweiten Schritt mit einer vergleichenden Analyse der tatsächlichen plattformspezifischen Regierungsaktivitäten in den drei Ländern in den Politikbereichen Arbeitsrecht, Genossenschaftsrecht, Wettbewerbsrecht, Unternehmenssteuerrecht und Finanzierung.

Plattform-Kooperativismus: Gesellschaftlicher Kontext und politische Systeme entscheidend

Pentzien zeigt in seiner Studie die Hindernisse für demokratische Plattformen in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten sowie mögliche Wege sie zu überwinden. Zudem zeigen seine Ergebnisse, inwieweit unterschiedliche politische Systeme den Plattform-Kooperativen verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Für Deutschland konnte er etwa nachweisen, dass die durch die Politik bereitgestellten Finanzierungsmöglichkeiten die Gründung von Plattformen im demokratischen Besitz erschweren. In Frankreich führt die aktuelle politische und rechtliche Situation dazu, dass Plattform-Kooperativen in erster Linie als Sozialunternehmen agieren, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, und sich nicht als Unternehmen sehen, die mit den etablierten Plattformbetreibern im Wettbewerb stehen. In den USA hemmen die Haushalts- und Fiskalpolitik der Trump-Regierung Demokratisierungsprozesse in der Plattformökonomie, gleichzeitig schafft das an einigen Orten sehr flexible Genossenschaftsrecht aber auch innovative Möglichkeiten der demokratischen Einbindung.

Es ist demnach notwendig, so Pentzien, den Plattform-Kooperativismus nicht nur als ein einheitliches globales Ganzes, sondern auch als Produkt seines besonderen gesellschaftspolitischen Kontexts zu analysieren. „Nur, wenn wir uns auf die Besonderheiten der verschiedenen Rahmenbedingungen konzentrieren, in denen Plattformkooperationen entstehen, können wir verstehen, wo Regierungen Spielraum haben, um demokratische Plattformalternativen zu stärken – und unter welchen Bedingungen sich progressive Ansätze von einem Kontext in den anderen übersetzen ließen“, so Jonas Pentzien. Solche kontextspezifischen Narrative könnten Pentzien zufolge auch dabei behilflich sein, politischen Entscheidungsträger/innen zu vergegenwärtigen, welche Gestaltungsmöglichkeit sie auch in der häufig global ausgerichteten Plattformökonomie noch haben.

Pentzien präsentierte erste Ergebnisse auf der internationalen Platform Cooperativism-Conference mit dem Motto “Who Owns the World?”. Die Studie wird im Frühjahr 2020 veröffentlicht. 

Institute for the Cooperative Digital Economy

Das Institute for the Cooperative Digital Economy wurde 2019 gegründet. Ziel ist, die bisher unzureichend gebündelte Forschung zu Demokratisierungsprozessen in der Plattformökonomie zusammenzubringen und dadurch neue Synergien freizusetzen. Insbesondere sollen die Potenziale der globalen Plattform-Kooperativismus-Bewegung ausgeschöpft und erweitert werden.

Über das Projekt platforms2share

Jonas Pentzien promoviert im Projekt platforms2share des IÖW, dem Institut für Mittelstandsforschung Mannheim (ifm) der Universität Mannheim und des Fraunhofer IBP in Stuttgart. Die Nachwuchsgruppe wird im Rahmen des Schwerpunkts „Sozial-Ökologische Forschung (SÖF)“ im Programm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA)“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für fünf Jahre gefördert.

Mehr Informationen: www.platforms2share.org

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