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Neuerscheinung: Tätigsein in der Postwachstumsgesellschaft

Die gegenwärtige Klimadebatte ist auch eine Debatte über das Wirtschaftswachstum. Denn trotz aller Klima-Bekenntnisse halten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weitgehend am Ziel fest, die Wirtschaftsleistung weiter zu steigern – auch wenn dies zulasten des Klimas geht. Begründet wird dies mit dem Mantra, nur Wirtschaftswachstum könne ausreichend Arbeitsplätze bieten. Die Herausgeberinnen Angelika Zahrnt und Irmi Seidl argumentieren in ihrem neuen Buch, dass die Zeit gekommen ist, die Fixierung auf Wirtschaftswachstum und Erwerbsarbeitsplätze aufzugeben. Es müsse darum gehen, Erwerbsarbeit und unbezahlte Arbeit neu zu gewichten und das Steuer- und Sozialsystem so umzubauen, dass dieses weniger von Erwerbsarbeit abhängig wird – so die zentralen Forderungen des Buches „Tätigsein in der Postwachstumsgesellschaft“, das jetzt im Metropolis-Verlag erschienen ist.

„Es geht um die Frage, was Priorität hat: Wachstum von Gütern und Dienstleistungen der Arbeitsplätze wegen, verbunden mit weiterer Umweltbelastung – oder die Einhaltung der planetaren Grenzen, auch wenn dies die Wirtschaftsleistung senken könnte und einen Umbau unserer Arbeitswelt verlangt“, so Angelika Zahrnt, Fellow am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Ehrenvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Letztlich ist der Punkt folgender: Was ist uns wichtiger – ein gedeihliches Klima für die Menschen oder für die Wirtschaft?“

Der Band mit Beiträgen von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft argumentiert, dass Erwerbsarbeit nicht weiter eine so große Bedeutung für Steuereinnahmen, Sozialversicherung und Existenzsicherung haben darf. Die Buchbeiträge zeigen, welche Konzepte es gibt, um verschiedene Tätigkeiten wie Erwerbsarbeit, Sorgearbeit, Selbstversorgung oder Freiwilligenarbeit zu kombinieren.

„Wir stellen grundlegend infrage, ob es weiter sinnvoll ist, sich am Produktivitätsfortschritt zu orientieren, der zunächst Arbeitsplätze vernichtet, die dann durch weiteres Wachstum wieder kompensiert werden sollen“, erläutert Irmi Seidl, Ökonomin an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Das Buch beleuchtet die Aufgaben von Unternehmen und Gewerkschaften bei der Transformation der Arbeitsgesellschaft und skizziert Möglichkeiten für ein breiteres Spektrum von Tätigkeiten etwa in der Landwirtschaft und im Freiwilligenbereich. „Als Leitbild für eine Postwachstumsgesellschaft sehen wir vielfältiges Tätigsein“, so die Herausgeberinnen Zahrnt und Seidl.

Das Buch macht deutlich: Eine solche Umorientierung von Wirtschaft und Gesellschaft verlangt eine Veränderung grundlegender Werte des Einzelnen und der Gesellschaft. Auch deshalb nimmt das Buch die Lebens- und Arbeitswelt im Globalen Süden sowie die dortigen Entwicklungs- und Wachstumsmöglichkeiten in den Blick. Diese Perspektive unterstreicht die Notwendigkeit radikaler Änderungen im Wirtschafts- und Gesellschaftssystem des Nordens.

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Redaktionelle Informationen:

Die Herausgeberinnen stellen das Buch am 28. Oktober 2019 in Berlin, Heinrich-Böll-Stiftung, vor:
www.ioew.de/veranstaltung/taetigsein_in_der_postwachstumsgesellschaft

Irmi Seidl, Angelika Zahrnt (Hrsg.): Tätigsein in der Postwachstumsgesellschaft, 262 Seiten, ISBN 978-3-7316-1405-0, Metropolis Verlag (September 2019 )
www.metropolis-verlag.de/Taetigsein-in-der-Postwachstumsgesellschaft/1405/book.do

Kontakt Autorinnen:
Prof. Dr. Angelika Zahrnt
a.zahrnt(at)bund.net

+49–6223–72226

Prof. Dr. Irmi Seidl
irmi.seidl(at)wsl.ch
+41–44–739 23 24

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