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Neuerscheinung: Umweltgovernance in globalen Wertschöpfungsketten

Die Produktion von Konsumwaren in Entwicklungs- und Schwellenländern ist oft mit weitreichenden Umweltproblemen verbunden. Für europäische Einzelhändler, Importeure und Markenanbieter können sich hieraus geschäftliche Risiken ergeben – beispielsweise durch negative Berichterstattung oder rechtliche Sanktionierung. Das jüngst erschienene Buch des IÖW-Wissenschaftlers Christian Dietsche behandelt diese Thematik am Beispiel des globalen Handels mit tropischen Garnelen und Ledererzeugnissen.

„Viele deutsche Unternehmen versuchen, den Produktionsprozess in der Wertschöpfungskette zu kontrollieren und Anforderungen an Produktqualität und Produktionsweise bei ihren Lieferanten durchzusetzen“, so Dietsche. „In dem Buch verwende ich ein Konzept der Umweltgovernance, um der Frage nachzugehen, welche Rolle Umweltschutz- und Qualitätsbelange bei der Organisation globaler Lieferbeziehungen einnehmen“. Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, auf welche Weise und unter welchen Bedingungen umweltbezogene Parameter in globalen Wertschöpfungsketten durchgesetzt werden. Hierbei zeigen sich große Unterschiede: Viele kleine Importeure orientieren sich bei der Koordination ihrer Lieferbeziehungen in erster Linie am Preis und nehmen keinerlei Einfluss auf die Umweltbedingungen am Anfang der Lieferkette. Andere Unternehmen beschränken sich darauf, durch Produkttests Qualität und Schadstofffreiheit der von ihnen bezogenen Produkte sicherzustellen, woraus indirekt auch positive Umwelteffekte resultieren können. Eine umfassende Umweltgovernance, die mit Hilfe von Audits und Zertifizierungssystemen direkt auf die Umweltbedingungen der Produktion einwirkt, geht vor allem von großen Markenunternehmen aus.

Die Ausprägung der Umweltgovernance, so ein Ergebnis der Arbeit, hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab: Von großer Bedeutung sind dabei institutionelle Einflüsse – so veranlasst beispielsweise eine effektive staatliche Kontrolle von Schadstoffgrenzwerten Unternehmen dazu, Produktstandards durchzusetzen. Erschwert wird Umweltgovernance dagegen etwa durch eine starke Fragmentierung der Lieferkette, die eine direkte Kontrolle umweltrelevanter Produktionsschritte verhindert. Das Buch analysiert derartige Determinanten der Umweltgovernance und zeigt damit auf, unter welchen Bedingungen Umwelt- und Wirtschaftsbelange im globalisierten Handel zusammengeführt werden können.

Die Arbeit von Christian Dietsche wurde vom Geographischen Institut der Universität zu Köln als Promotionsschrift angenommen.

 

Dietsche, C. (2011): Umweltgovernance in globalen Wertschöpfungsketten - Umweltschutz und Qualitätssicherung im Handel mit tropischen Garnelen und Ledererzeugnissen, Lit Verlag: Münster. 200 Seiten, ISBN 978-3-643-10886-9

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