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Plastik entlang der Wertschöpfungskette reduzieren? Buchbeitrag über innovative Geschäftsmodelle in „Einfach weglassen“

Folie, Schaumstoffröllchen oder Styropor: Kunststoffe scheinen in unserer Konsumgesellschaft unverzichtbar zu sein – mit gravierenden Auswirkungen für die Umwelt. Geht es nicht auch ohne? Aus Sicht der Verbraucher/innen leicht gesagt. Denn Plastik und Co. ermöglichen hygienische Standards, den Aufdruck von Produktinformationen und schützen das Produkt vor Schäden. Wie kann eine Wende in der Verpackungsindustrie herbeigeführt werden? Das jetzt erschienene Buch „Einfach weglassen?“ aus dem Oekom-Verlag stellt verschiedene Ansätze vor. Ein Beitrag der IÖW-Wissenschaftler/innen Sabrina Schmidt und Frieder Rubik aus dem Projekt Innoredux diskutiert die Möglichkeiten und Wege, Plastik in der Lieferkette zu minimieren. 

Neue Geschäftsideen auf dem Markt

In ihrem Beitrag „Geschäftsmodelle zur Reduktion von Plastikmüll entlang der Wertschöpfungskette“ zeigen die Autor/innen: 26 Prozent aller in Deutschland verwendeten Kunststoffe entfielen 2017 auf Verpackungen. Das entspricht ca. 3 Millionen Tonnen – und davon werden 95 Prozent zu Abfall. Noch ist die Plastikverpackung im Einzelhandel und im Online-Geschäft also zu weit verbreitet. Doch einige Beispiele zeigen, dass es anders geht: Einzelne konventionelle Lebensmittelketten packen Obst in essbare Schutzhüllen oder drucken Barcodes direkt auf die Schale. Unverpacktläden integrieren diese Ansätze in ihre Firmenphilosophie und verzichten im gesamten Sortiment auf jegliche Art von Verpackungen. Gleichzeitig befürwortet ein Großteil der Gesellschaft Plastikverpackungen in der Wertschöpfungskette zu reduzieren, wie aus einer Studie des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes von 2019 hervorgeht.

Unverpacktläden profitieren von Gesetzesänderung

Die EU und Deutschland haben sich die Bekämpfung dieses gravierenden Problems auf die Fahne geschrieben, etwa mit einer Verpackungsrichtlinie und einem 5-Punkte-Plan. Sowohl auf europäischer Ebene als auch in der deutschen Politik seien die bisherigen Bemühungen für eine Transformation der Wertschöpfungskette aber nicht systematisch genug, kritisieren die Autor/innen.

Politische Rahmensetzung unabdingbar

Bislang scheinen die Maßgaben besonders technologische Einzellösungen, etwa die Entwicklung alternativer Materialien zu forcieren, die aber nicht in einem Gesamtkonzept stehen. Schmidt und Rubik sprechen sich dafür aus, dass vielmehr Geschäftsinnovationen wie Unverpacktläden gefördert werden müssten, um eine Langlebigkeit dieser Ansätze zu garantieren. Auch die Motivation der Konsument/innen, den Plastikverbrauch zu reduzieren, sollte genutzt werden und in Unternehmen als Aufruf für proaktive Dynamiken verstanden werden. Wie können Kaufentscheidungen zum Schutze der Umwelt beeinflusst werden? Für eine nachhaltigkeitsorientierte Verpackungsstrategie, die langfristig Umweltschäden minimieren soll, sind politische Rahmensetzungen unabdingbar. Trotzdem: Die mediale Aufmerksamkeit, die Eröffnung von Unverpacktläden und die Diversifizierung der Verpackungen in Supermärkten seien ein guter Anfang, so die Autor/innen.

Der Beitrag ist entstanden im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Innoredux“, das gemeinsam mit Praxispartner/innen untersucht, wie im Handel Plastikmüll vermieden oder reduziert werden kann.

Mehr Informationen: www.plastik-reduzieren.de


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Schmidt, Sabrina; Rubik, Frieder: „Geschäftsmodelle zur Reduktion von Plastikmüll entlang der Wertschöpfungskette“, in Kröger et al. (Hrsg.): „Einfach weglassen? Ein wissenschaftliches Lesebuch zur Reduktion von Plastikverpackungen im Lebensmittelhandel“, oekom verlag 2020

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