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Stuttgarts Gärten könnten ganz Feuerbach mit Gemüse versorgen

Über 4.000 Tonnen frisches Gemüse und Kräuter werden in den Stuttgarter Gärten pro Jahr geerntet, hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Forschungsprojekt „GartenLeistungen“ hochgerechnet. Damit decken die Gemeinschafts- und Kleingärten sowie Mietäcker jährlich den Bedarf von etwa 30.000 Personen – das entspricht dem Bezirk Feuerbach. Noch wertvoller als das lokal produzierte Gemüse eines urbanen Gartens sind jedoch seine sozialen und kulturellen Leistungen. Wie wertvoll genau? Das hat das vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderte Projekt unter anderem in Stuttgart untersucht. 

Zu den untersuchten Gärten gehören Inselgrün in Bad Cannstatt, das GartenKulturLabor in Stuttgart-Botnang und der Stadtacker Wagenhallen in Stuttgart-Nord. Jeder von ihnen erbringt jährlich einen gesellschaftlichen Nutzen von mehr als 200.000 Euro. Ziel dieser umweltökonomischen Bewertung ist es, die Wertschätzung der Bevölkerung für öffentliches Grün transparent zu machen, erklärt Projektleiter Professor Jesko Hirschfeld vom IÖW: „Indem wir die Leistungen von Grünflächen abbilden und mit einem Geldwert beziffern, wollen wir sichtbar machen, wie stark die Menschen in der Stadt von Gärten und Parks profitieren. Denn leider geraten besonders Gemeinschafts- und Kleingärten in Stadtplanungsprozessen oft unter Druck.“ 

Ein Beispiel dafür ist „Inselgrün“: Das Gartenprojekt musste 2019 wegen der Neuentwicklung des ehemaligen Güterbahnhofs zu einem Wohn- und Gewerbegebiet am Neckarpark auf einen behelfsmäßigen Standtort umziehen. Ein langfristiger Standort steht noch nicht fest.

Urbane Gärten: Hier blüht die Nachbarschaft auf 

Im Interesse ihrer Bürger*innen sollten Städte keine Mühe scheuen, urbane Gärten zu unterstützen, empfehlen die Forschenden: Als Erholungs- und Lernorte, als soziale und interkulturelle Treffpunkte bereichern und prägen sie die Nachbarschaft. Mit einer repräsentativen Umfrage in Stuttgart und Berlin hat das Projekt GartenLeistungen erforscht, welche Angebote als besonders wertvoll empfunden werden. Etwa die Hälfte der Stadtbewohner*innen besucht regelmäßig oder hin und wieder urbane Gärten – vor allem um die Natur zu genießen, sich zu erholen und Zeit miteinander zu verbringen. Eine ruhige Atmosphäre, eine große Vielfalt an Pflanzen und Tieren und die Nähe zum Wohnort – das wünschen sich zwei Drittel der Befragten für Gärten in ihrer Nachbarschaft. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden finden auch Umweltbildungsangebote und Gemeinschaftsaktivitäten wichtig.

Aus der Befragung konnte das IÖW ableiten, wie hoch der soziale und kulturelle Wert von urbanen Gärten ausfällt: „Der Wert ist umso höher, je dichter die Nachbarschaft besiedelt ist. Am höchsten ist er, wenn der Garten außerdem naturnah gestaltet ist, Umweltbildung sowie kulturelle Events anbietet und häufig für Besucher*innen offensteht“, erklärt Umweltökonom Malte Welling (IÖW). Zählt man die Wertschätzung der Anwohner*innen beispielsweise rund um den Stadtacker Wagenhallen zusammen, ergibt sich ein Wert von über 300.000 Euro pro Jahr: So stark profitiert die Nachbarschaft von dem großen Garten und seinen kulturellen Angeboten.

Essbare Stadt: Gemüse im Wert von zehn Millionen Euro pro Saison

IInsgesamt machen Gärten rund 2,7 Prozent der Fläche Stuttgarts aus. „Die reine Anbaufläche ist mit 80 Hektar etwas größer als der Rosensteinpark“, sagt Lea Kliem vom IÖW. „Wenn wir davon ausgehen, dass die Hobbygärtner*innen einen kleinen bis mittelgroßen Ertrag erreichen, dann ernten sie pro Gartensaison etwa 4.400 Tonnen Gemüse, Kartoffeln und Kräuter im Wert von rund sechs Millionen Euro.“ 

Mit vertikalen Gärten könnte die „essbare Stadt“ sogar noch mehr Lebensmittel lokal und klimafreundlich produzieren. In einem der Reallabore des Projektes GartenLeistungen baute die Technische Universität Berlin Prototypen für solche Anlagen: Die Salatpflanzen wachsen übereinander in Säulengestellen und werden mit gereinigtem Regen- oder Grauwasser versorgt. Pro Saison deckt die Anlage auf nur zwei Quadratmetern den Salat-Bedarf von 28 Personen. „Die urbane Nahrungsmittelproduktion hat mit Vertikalgärten im wahrsten Sinne des Wortes noch Luft nach oben. Trotz solcher Ideen für platzsparendes Gärtnern sollten Städte eher mehr als weniger Fläche für Gärten bereitstellen“, fordert Kliem mit Blick auf die Lebensqualität und eine intakte Stadtnatur. 

Weitere Ergebnisse zu Parks und Gärten in Berlin und Stuttgart gibt es in einer Factsheet-Reihe auf  www.gartenleistungen.de. In dem Projekt arbeiten Forschende von IÖW, TU Berlin, HU Berlin und der Universität Stuttgart gemeinsam mit Praxispartnern aus Gärten, Parks und aus der Verwaltung.

Auf der Fachkonferenz „GartenLeistungen – Der Wert von Parks und Gärten für die Stadt“ am 13. Mai 2022 in Berlin sind Akteure aus der Stadtverwaltung, aus Garten- und Parkinitiativen dazu eingeladen, darüber zu diskutieren, wie öffentliche Grünflächen weiterentwickelt werden könnten, um ihren Nutzen für die Stadtbevölkerung zu erhalten und weiter zu steigern.

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Downloads und Links: 

Credits: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Berlin 2022 (CC BY-ND

 

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