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Tech2go-Podcast mit Bernd Hirschl: 2030, 2040, 2045? Szenarien zur Klimaneutralität müssen mehr Antworten zu sozialen Fragen und praktischen Hürden geben

Im Tech2go-Podcast von Technology Review spricht Prof. Bernd Hirschl darüber, wann und wie Berlin klimaneutral werden kann und wie die Wissenschaft solche Szenarien realistischer berechnen kann. Hirschl fordert in dem knapp einstündigen Beitrag, dass Szenariostudien lösungsorientierter werden: Die Forschenden müssen über die rein technische Machbarkeit hinausgehen, indem sie auch soziale oder strukturelle Hemmnisse wie den Fachkräftemangel einberechnen und gleichzeitig Lösungswege aufzeigen.

Technische Szenarien zur Klimaneutralität oft unrealistisch

Welche Zwischenziele müssen Schlüsselsektoren wie Verkehr, Gebäudesektor etc. erreichen, damit Land X bis zum Jahr Y klimaneutral wird? Solche Modellierungen helfen der Politik, Leitplanken für den Wandel zu setzen. Doch nicht selten verfälschen optimistische oder gar utopische Annahmen die Zahlen, sei es beim Ausbau von Windenergie und E-Mobilität oder bei den energetischen Sanierungen: Sanierungsraten von durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr, gerechnet ab morgen, liegen in einer Stadt wie Berlin jenseits jeder Realität – durch den Fachkräftemangel und soziale Spannungen im Wohnungsmarkt, aber auch Rahmenbedingungen die das verhindern und letztlich ganz normale Hochlaufeffekte. Solche Hemmfaktoren müssen in den Szenarien der Wissenschaft und in den Maßnahmenpaketen der Politik eine zentrale Rolle spielen. Erfolgt dies nicht, ergeben sich letztlich falsche Szenarien mit falschen Empfehlungen.

Illusionen aufgeben und Alternativlösungen aufzeigen

„Die Zeit der technischen Machbarkeitsszenarien muss jetzt abgelöst werden durch stärker problem- und lösungsorientierte Studien“, sagt Hirschl. Die Studien sollen auf Holzwege, Hürden und Handlungsoptionen aufmerksam machen.

Beispiel Mobilität: In vielen technischen Studien wird wahlweise das Auto entweder sehr stark verdrängt, oder es wird einfach ein Weiter-so durch den Umstieg auf Elektromobilität ermöglicht. Und in den Studien, die an der Elektromobilität zweifeln aber am Auto festhalten, wird dann Wasserstoff eingeführt. Auf Wasserstoff im Pkw-Bereich zu setzen würde jedoch einen viel zu großen Ausbau der Windenergie oder problematische Importe voraussetzen, so Hirschl. Aber auch die Idee von autofreien Städten schätzt Hirschl als nicht mehrheitsfähig und daher illusorisch ein, wenngleich eine signifikante Reduktion der Autonutzung angestrebt werden muss. Am Ende bleibt aber auch noch ein ebenso signifikanter Anteil automobiler Nutzung, die aus ökologischen Gründen elektrisch erfolgen muss. Wie aber gelingt die Umstellung zur E-Mobilität in der Stadt, wo Ladesäulen für Mehrfamilienhäuser kaum praktikabel sind? Hier sieht Hirschl Chancen bei Modellen, die bisher kaum gefördert werden, etwa Kiezparkhäuser und Wechselakkusysteme.

Weitere Themen im Podcast: sozial gerechte Sanierungen, Zielkonflikte der Geothermie in Berlin, mehr Akzeptanz für den Ausbau der Windenergie.

Prof. Bernd Hirschl ist Forschungsfeldleiter und Themenkoordinator „Klima und Energie“ am IÖW, wo er federführend etwa Machbarkeitsstudien für Klimaneutralität in Berlin und Brandenburg durchführt. An der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg leitet er das Fachgebiet „Management regionaler Energieversorgungsstrukturen“.

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Podcast anhören:

Tech2go #018 – Szenarien zur Klimaneutralität (54 Minuten)

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