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UBA-Bericht: Argumente für eine systematische Investition in eine klimaresiliente Wirtschaft und Gesellschaft

Um künftigen Extremwetterlagen zu begegnen, braucht es Maßnahmen zur Klimawandelanpassung. (Quelle: Markus Distelrath/pixabay)

Im Zuge des Klimawandels werden Extremwetterereignisse wie Stürme, Starkregen und Hitzewellen häufiger und ihre Ausmaße größer – mit gravierenden Auswirkungen auf Ökosysteme, Wirtschaft und Gesellschaft. Daher gewinnt die Suche nach geeigneten Strategien zur Anpassung an den Klimawandel an Bedeutung. Ein Forschungsteam der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung hat im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) untersucht, wie sich Maßnahmen und Instrumente zur Anpassung an den Klimawandel wirtschaftlich, ökologisch und sozial auswirken. Mit der Publikation „Vertiefte ökonomische Analyse einzelner Politikinstrumente und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“ legen die Autor/innen nun wichtige, ökonomisch und sozialökologisch begründete Argumente zur systematischen Investition in eine klimaresilientere Wirtschaft und Gesellschaft vor. Die Studie ist beim UBA erschienen und wird ergänzt von 16 Steckblättern, die ausgewählte Anpassungsmaßnahmen vorstellen wie naturnahe Regenwasserbewirtschaftung, angepasster Waldumbau oder Erhöhung des Anteils von Grünflächen und Gründächern in Städten.

Aus den drei Kerngruppen – bauliche, naturbasierte und informatorische Anpassungsmaßnahmen – haben die Wissenschaftler/innen handlungsfeldübergreifende und spezifische Maßnahmen und Instrumente aus bestehenden Katalogen im Hinblick auf Dringlichkeit, Abgrenzbarkeit, Identifizierbarkeit und Quantifizierbarkeit ausgewählt. Auch wurden Wechselwirkungen zwischen Maßnahmen und Instrumenten sowie mit anderen Politikfeldern betrachtet. 

Bauliche, naturbasierte oder informatorische Maßnahmen – welche sind am besten?

Die Forschenden zeigen: Schäden durch den Klimawandel können erhebliche Kosten verursachen, die durch geeignete Maßnahmen aber deutlich reduziert werden können. Auf baulichen Maßnahmen, die der Instandsetzung von Infrastrukturen als Anpassung an den Klimawandel vordergründig im Handlungsfeld Verkehr und Verkehrsinfrastruktur dienen, liegt ein besonderer Fokus: Durch umfangreiche Investitionen fördern sie Beschäftigung und Wirtschaftswachstum. Allerdings werden bei diesen Bauleistungen erhebliche Rohstoffmengen eingesetzt, wodurch zusätzliche Treibhausgasemissionen entstehen. Diese Mehremissionen in der Bauphase müssen abgewogen werden gegen die Einsparungen an späteren Reparaturbedarfen nach Extremereignissen. 

Werden solche Maßnahmen bei der Planung um Aspekte der Klimaresilienz ergänzt, können Schäden durch den Klimawandel vermieden und darüber hinaus Synergieeffekte mit ökologischen Zielen ermöglicht werden, da langfristig Ressourcen und Energie beim Wiederaufbau nach Katastrophenereignissen gespart werden können.

Naturbasierte Maßnahmen wie Waldumbau, mehr Grün in Städten oder die Renaturierung von Gewässern haben einen positiven ökologischen Effekt, da sie Schäden des Klimawandels mindern, Treibhausgase binden und die Biodiversität erhöhen. Es existieren also eindeutige Synergien mit Naturschutz- und Umweltzielen. Allerdings haben sie kaum direkte wirtschaftliche Effekte, da sie nur gering auf Beschäftigung und Bruttoinlandsprodukt wirken und die meisten ökosystemaren Leistungen auf dem Markt nicht handelbar sind. Durch geringe Kosten und ein – in erweiterter Bewertungsperspektive betrachtet – überaus positives Nutzen-Kosten-Verhältnis steigern sie jedoch die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt. 

Informatorische Maßnahmen haben das Ziel, Risikobewusstsein zu vermitteln und auf Verhaltenshinweisen hinzuwirken, die bei Extremwetterereignissen wie Hitzewellen riskantes Verhalten reduzieren und gesundheitsbewusstes und vorsorgendes Verhalten fördern. In konventioneller Betrachtung bringen solche Maßnahmen keine kurzfristigen volkswirtschaftlichen Wachstumseffekte. Da sie lediglich Kosten verursachen und Reparatur- sowie Krankheitskosten verringern, die sonst zu Zuwächsen in Gesundheitswesen und Reparaturgewerbe führen würden, reduzieren sie gegebenenfalls sogar das Wachstum im Vergleich zu einer Situation ohne solche Warnungen und Aufklärungskampagnen. Den vergleichsweise geringen Kosten stehen jedoch hohe materielle und immaterielle Nutzen gegenüber, da sie dazu beitragen, Schäden an Gesundheit, Leib und Leben sowie auch an Sachwerten zu verhindern.  

Priorisierung von Maßnahmen 

Bei der Priorisierung von Investitionen in Anpassungsmaßnahmen empfiehlt der Bericht, grundsätzlich naturbasierte Maßnahmen gegenüber baulichen Maßnahmen zu bevorzugen oder mindestens bevorzugt zu prüfen. Etliche Anpassungsziele allerdings können nur durch bauliche Maßnahmen wirksam erreicht werden. In diesem Fall sollten die langfristigen lenkenden Wirkungen der Investitionen bei Entscheidungen zur Verteilung öffentlicher Fördermittel berücksichtigt werden. Im Bereich der Verkehrsinfrastruktur beispielsweise wären Maßnahmen, die die Bahn als umwelt- und klimafreundlicheren Verkehrsträger klimaresilient und somit konkurrenzfähiger und attraktiver macht, positiver zu bewerten als Investitionen in klimaschädlichere Verkehrsträger, mit denen nicht nachhaltige Nutzungsstrukturen verfestigt würden. Für die Unterstützung einer sozial-ökologischen Transformation sollten solche langfristigen Lenkungswirkungen berücksichtigt werden und demnach zum Beispiel eher in klimafreundlichere Schieneninfrastruktur als in Straßen- oder Flughafeninfrastruktur investiert werden. 

Umfassende Bewertung prägnant und anschaulich aufbereitet

Zentral im Projekt war auch die Frage, wie erweiterte ökonomische Analyseansätze genutzt werden können, um geeignete Maßnahmen und Politikinstrumente zur Klimaanpassung zu identifizieren. 16 Steckblätter fassen die Erkenntnisse für jeweils eine Maßnahme zusammen, veranschaulichen ihren Kontext mit potenziellen Instrumenten zur Umsetzung und geben dazugehörige ökonomische und ökosystemar erweiterte Bewertungen. So können politische Entscheidungsträger/innen schnell erkennen, welche Effekte welche Maßnahme mit sich bringt.

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Über das Projekt „Vertiefte ökonomische Analyse einzelner Politikinstrumente und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“

Das Projekt liefert wichtige, ökonomisch begründete Argumente zur systematischen Investition in eine klimaresilientere Wirtschaft und Gesellschaft. Der Bericht nimmt mit einer sogenannten erweiterten Bewertung auch die ökologischen und sozialen Folgen der Maßnahmen in den Blick. 

Download

  • Ulrike Lehr, Markus Flaute, Lara Ahmann, Anne Nieters, Jesko Hirschfeld, Malte Welling, Clara Wolff, Anna Gall, Johanna Kersting, Malin Mahlbacher, Charlotte von Möllendorff: Vertiefte ökonomische Analyse einzelner Politikinstrumente und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel
    Download (PDF, 6,3 MB)

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