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Utopisieren: Die neue Ausgabe von »Ökologisches Wirtschaften« lädt dazu ein, zukunftsfähige Ökonomien zu erdenken

Deckblatt Ökologisches Wirtschaften 3: Utopisieren. Zukunftsfähige Ökonomien denken und verwirklichen. Foto von Seifenblasen im Himmel.

Im Bundestagswahlkampf werden viele Narrative der Stabilität und Kontinuität bemüht, anstatt Zukunft radikal neu zu denken. Doch genau das brauchen wir jetzt: Angesichts der sozialen, ökologischen, demokratischen und ökonomischen Krisen unserer Zeit ist es naiv, keine grundlegenden Änderungen zu fordern, kritisieren Jana Gebauer und Philipp P. Thapa in der neuen Ausgabe von „Ökologisches Wirtschaften“. Wir brauchen mehr Utopien – mutige Gesellschaftsvisionen, die im Hier und Jetzt mitmischen wollen. Doch noch werden Ideen, die manchem unbequem erscheinen, schnell als „utopisch“ im Sinne von unrealistisch abgetan. Die Beiträge im Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe Ökologisches Wirtschaften laden Sie dazu ein, Ihren Sinn fürs Utopische zu schärfen.  

Deutsche Wohnen & Co. enteignen: Berliner Mieter/innen haben es mit ihrer Utopie vom sozial verträglichen Wohnen bis zu einem Volksentscheid geschafft: Am 26. September entscheiden die Berliner/innen darüber, ob große private Wohnungsbestände der Hauptstadt vergesellschaftet werden sollen. Solche lebensnahen Utopien schaffen konkrete Gegenentwürfe zum kapitalistischen Wirtschaften, wie Gebauer und Thapa betonen. Roland Bluhm und Cornelia Auer fordern in ihrem Standpunkt „Für einen Angewandten Utopismus“ jedoch, dass Utopien stärker gemeinsam mit Akteur/innen aus den betroffenen Wirtschaftszweigen erarbeitet werden sollten, um der Komplexität der Praxis gerecht zu werden.

Zukunft jenseits des Kapitalismus – klingt utopisch?

Nach jahrhundertelanger Vorherrschaft des Kapitalismus, so Heather Alberro im Beitrag „The Contemporary Utopian Spectrum“, fällt es schwer, sich alternative Gesellschafts- und Zukunftsentwürfe vorzustellen. Jedoch setzen junge und indigene Bewegungen der Vision eines globalisierten Hightech-Kapitalismus immer wieder kollektive Utopien entgegen. So prägen etwa indigene Aktivist/innen das Konzept vom Guten Leben – Buen Vivir – und erreichten damit in Ecuador mehr Rechte für den Umweltschutz. 
Jan Groos stellt mit der „Freien Planwirtschaft“ ein Konzept vor, das eine machtvolle ideologische Formel herausfordert: Markt gleich Freiheit. In seinem Beitrag „Ökonomische Zukünfte jenseits des Kapitalismus“ erklärt Groos, warum echte Demokratisierung der Wirtschaft nicht innerhalb kapitalistischer Konkurrenzlogik funktioniert – auch wenn es mehr Genossenschaften und staatliche Betriebe gäbe.

Utopisieren – wie funktioniert das konkret?

Längst nicht bei jeder Auseinandersetzung mit der Zukunft handelt es sich um Utopisieren, wie Philipp P. Thapa und Jana Gebauer im Beitrag „Das Utopische als Qualitätsmerkmal“ betonen: Utopisch ist Zukunftsdenken, wenn es sich radikal, ganzheitlich, konkret und experimentell den relevanten Problemen unserer Gegenwart stellt. Doch wie schafft man einen Rahmen für so ein praxis- und lösungsorientiertes Utopisieren? Das Magazin stellt mehrere Beispiele vor: 
Der Umweltwissenschaftler Alan Marshall visualisiert etwa im Projekt „Ecotopia 2121“, wie bekannte Städte in 100 Jahren aussehen könnten. Im Beitrag „A Utopia for Abu Dhabi“ beschreibt er, wie sich die Wüstenmetropole umweltfreundlich und energieeffizient neuerfinden könnte. Wenn das Utopisieren schon für eine einzelne Stadt viel Phantasie verlangt, wie verständigt sich dann ein ganzer Kontinent auf eine gemeinsame Zukunftsvision? Das beschreibt Mako Muzenda in „Looking at Agenda 2063“ am Beispiel der Afrikanischen Union – kritisiert jedoch, dass an dem Prozess vor allem Eliten beteiligt waren. 

Raus aus dem Hamsterrad: Europa als Postwachstumsgesellschaft

Auch in Europa sehen Irmi Seidl und Angelika Zahrnt Bedarf für neue Leitmotive und Mut zu Alternativen. Im Artikel „Eine neue politische Agenda für Europa“ kritisieren sie, dass sich Brüssel genau wie in früheren Krisen auch in der Coronakrise an das Mantra vom Wachstum klammert: Wirtschaftswachstum schaffe Arbeitsplätze und sei deshalb unverzichtbar. Warum hält sich dieser Glaubenssatz so hartnäckig und welche Alternativen für Arbeit und Tätigsein gäbe es in einer Postwachstumsgesellschaft? Seidl und Zahrnt stellen den Bericht „Escaping the growth and jobs tre-admill. A new policy agenda for post-coronavirus Europe“ des European Environmental Bureau und des European Youth Forum vor und ergänzen weitere Vorschläge. Neben bekannteren Ansätzen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen, der Arbeitszeitreduktion und der Jobgarantie, könnten beispielsweise arbeitsintensive Sektoren wie das Sozialwesen, der Bildungsbereich oder die Landwirtschaft gefördert werden.

Leseproben:
•   Jana Gebauer, Philipp P. Thapa: Einführung in das Schwerpunktthema: Utopisieren
•   Roland Bluhm, Cornelia Auer: Für einen Angewandten Utopismus
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Ausgabe 3/2020: Zeitenwende 2020

Die Jubiläumsausgabe der Zeitschrift Ökologisches Wirtschaften fiel mitten in die Corona-Pandemie, eine Zeit großer Verunsicherung – aber auch ein Möglichkeitsfenster für echten Wandel? Die Artikel beleuchten, was die Pandemie für die Wachstumsdebatte bedeutet: Stehen wir vor einer Zeitenwende, bei der dieses Mal wirklich alles anders wird? Gelingen endlich Auswege aus dem industriellen Wachstumsdilemma? Die Beiträge der Ausgabe greifen zentrale Debatten der Tagung „Zeitenwende 2020“ auf und regen dazu an, gemeinsam weiterzudenken. 
Die Heftausgabe ist ab sofort im freien Onlinezugang verfügbar: Zum Inhaltverzeichnis von ÖkologischesWirtschaften 3/2020
 

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