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„We Care“-Siegel für die Lebensmittelbranche: Lückenschluss bei Nachhaltigkeitsstandards entlang der Lieferkette

Jetzt transparenter: Faire Standards entlang der Lieferkette (Quelle: cottonbro/pexels)

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist es oft schwer nachvollziehbar, woher die Produkte im Supermarkt kommen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. Siegel und Zertifikate versuchen, die Herkunft transparenter machen. Eine Kennzeichnung, die aufzeigt, ob über die gesamte Lieferkette hinweg soziale und ökologische Standards umfassend eingehalten werden, fehlte bisher noch. Das hat sich mit Einführung des We-Care-Siegels jetzt geändert: Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hat es entwickelt und damit einen neuen Nachhaltigkeitsstandard für die Lebensmittelbranche mit besonderem Fokus auf die Lieferkette geschaffen. Auf der BioFach, der weltgrößten Fachmesse für biologisch erzeugte Lebensmittel, wurde das Siegel nun vorgestellt. Das Siegel wird von einem wissenschaftlichen Expertengremium begleitet, an dem sich auch IÖW-Unternehmensexperte Christian Lautermann beteiligt.

Nachhaltigkeit vom Ursprungland bis zum Unternehmen in Deutschland

We Care bestätigt zertifizierten Unternehmen, dass sie vom Anbau in den Ursprungsländern bzw. der Region bis zum heimischen Unternehmensstandort gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern umfassende ökologische und soziale Kriterien einhalten. Mit Einbeziehung der Lieferkette geht We Care einen Schritt weiter als andere Managementsysteme: Viele der im Lebensmittelbereich üblichen Standards oder Zeichen fokussieren einzelne Produktketten, nicht aber Unternehmen als Ganzes. Sie betrachten lediglich einzelne Aspekte der Herstellung oder des Einkaufs, jedoch nicht alle wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen. We Care schließt diese Lücken, integriert andere anspruchsvolle Nachhaltigkeitsstandards und ergänzt diese sinnvoll. 

Umfassender Kriterienkatalog als Basis

We Care legt das Prinzip der Fairness gegenüber Menschen und Umwelt zugrunde. Der Standard prüft die nachhaltige Arbeitsweise eines Unternehmens anhand von vier Handlungsfeldern: Unternehmensführung, Lieferkettenmanagement, Umweltmanagement und Mitarbeiterverantwortung. Am Unternehmensstandort geht es zum Beispiel um Themen wie gentechnikfreie Sortimente, Erhalt von Biodiversität, Tierwohl, Reduzierung der Treibhausgasemissionen oder Bezahlung mindestens nach Tarif- bzw. Mindestlohn – insgesamt fließen 164 Kriterien in die Bewertung ein.

Im Handlungsfeld Lieferkettenmanagement ist festgelegt, wie ein Unternehmen seine Verantwortung entlang der Lieferkette aktiv gestalten, sie formulieren und in der Umsetzung dokumentieren muss. Zum Beispiel verlangt We Care von einem zertifizierten Unternehmen Sofortmaßnahmen, wenn in dessen Lieferkette Sozial‑, Umwelt- oder Tierwohlstandards verletzt werden. Darüber hinaus muss das Unternehmen nachweisen, dass es mit seinen Lieferanten und Lieferantinnen langfristig und partnerschaftlich zusammenarbeitet. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Einkauf zu. Dieser achtet unter anderem darauf, dass auskömmliche Preise für Rohwaren gezahlt werden. Die Lieferanten und Lieferantinnen müssen sich auch ihrerseits We-Care-konform verhalten, um mit We-Care-zertifizierten Unternehmen zusammenarbeiten zu können.

Steuerungsausschuss mit wissenschaftlicher Beteiligung

Standardgeber ist das unabhängige Forschungsinstitut für ökologischen Landbau, FiBL Deutschland. Die Zertifizierung erfolgt über eine unabhängige und anerkannte Zertifizierungsstelle mit Vorsitz von wissenschaftlichen Institutionen. Dieser Steuerungsausschuss, an dem neben Expert/innen des Öko-Instituts, der FH Münster sowie agroecology.science auch IÖW-Wissenschaftler Christian Lautermann beteiligt ist, bestimmt die Leitlinie des Standards und entwickelt ihn inhaltlich und strategisch weiter. Praxispartner sind bisher u. a. das Handelsunternehmen Alnatura, der Lebensmittelhersteller Lebensbaum sowie der internationale Zertifizierer Kiwa. Nach erfolgreicher Zertifizierung darf ein Unternehmen das We-Care-Zeichen auf den Produktverpackungen führen.

Mehr zum We-Care-Siegel und -Standard: www.we-care-siegel.org
 

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