14 Tonnen Materialverbrauch pro Kopf – so groß ist laut Eurostat (2024) der Fußabdruck des Konsumverhaltens der Menschen in Europa. Ziel wären 5,5 bis 8 Tonnen, so das Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Dieser Verbrauch trägt zum weltweiten Verlust von Biodiversität bei, besonders im Globalen Süden. Eine neue Studie vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) beleuchtet die Rolle der Produktion von Soja, Palmöl und Shrimps. Die Forschenden geben Empfehlungen für eine EU-Politik im Einklang mit Zielen des Biodiversitätsschutzes. Diese Woche wurden die Ergebnisse der Studie „Towards nature-friendly consumption“ im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz (BfN) auf einer Onlinekonferenz mit internationalen Expert*innen diskutiert.
Zielgerichtete EU-Politik kann globalen Fußabdruck verringern
„Der Verlust der biologischen Vielfalt ist keine unvermeidliche Folge des Konsums, sondern das Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen“, so Projektleiterin Julia Fülling, die am IÖW zu nachhaltigen Lebensstilen forscht. „Die EU kann ihren globalen Ressourcen-Fußabdruck erheblich verringern – mit koordinierten, auf Gerechtigkeit ausgerichteten Maßnahmen, die suffiziente Lebensstile attraktiv und umsetzbar machen.“
Shrimps, Soja und Palmöl als Treiber der Umweltzerstörung
Die drei Fallbeispiele der Studie verdeutlichen:
„Der Konsum von Shrimps, Soja und Palmöl in der EU hat verheerende Auswirkungen auf die Biodiversität weltweit – etwa durch die Vernichtung von Biodiversitäts-Hotspots wie Mangrovenwäldern, Mooren und Savannen“, erklärt Susanne Köppen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifeu, und betont: „Diese Entwicklung muss gestoppt werden.“
Ganzheitlicher Ansatz für Biodiversität und Klimaschutz: Suffizienz statt technischer Lösungen
Der Verlust der biologischen Vielfalt und der Klimawandel sind untrennbar miteinander verbunden und erfordern eine ganzheitliche Herangehensweise, empfehlen die Forschenden in ihrer Studie. Einzelne Ökosysteme oder Rohstoffe zu schützen, kann dazu führen, dass Umweltbelastungen lediglich verlagert werden, anstatt die zugrundeliegenden Probleme zu lösen. Darüber hinaus kann eine mangelhafte Nachhaltigkeitspolitik globale Ungleichheiten verschärfen, was als „grüner Kolonialismus“ bezeichnet wird. Um dies zu vermeiden, sollte Biodiversitätsschutz gemeinsam mit Akteuren der betroffenen Regionen gestaltet werden. Des Weiteren sind technische Lösungen wie Effizienzsteigerungen oder Substitution nicht ausreichend, um eine echte Transformation zu erreichen – das Leitprinzip sollte Suffizienz sein.
Politische Maßnahmen für eine nachhaltigere EU-Politik
Um eine tatsächliche Veränderung herbeizuführen, sollte die EU die Entwaldungsverordnung wirksam und sozialverträglich umsetzen sowie die EU-Richtlinie über Umweltaussagen (Green Claims Directive) zeitnah verabschieden. Darüber hinaus sollten schädliche Subventionen abgeschafft und durch preisliche Anreize für eine pflanzenbetontere Ernährung ersetzt werden. Der große Hebel, den die öffentliche Beschaffung bietet, sollte genutzt werden, indem dort Nachhaltigkeitskriterien verpflichtend gemacht werden. Eine effektive Nachhaltigkeitskommunikation an Konsument*innen muss zudem über generische Botschaften hinausgehen und sich auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Verbraucher*innen konzentrieren.
Hintergrund
Die Studie wurde im Projekt „Konsum naturverträglich gestalten“ veröffentlicht, das das IÖW und das ifeu im Auftrag des BfN mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) durchführten. Die Publikationen des Projekts umfassen neben einer Broschüre mehrere Fact Sheets und Policy Briefs. Sie erschienen in Zusammenarbeit mit der Working Group on Consumption and Biodiversity des One Planet networks.
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