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„Wir brauchen ein konsequent regionales Stromsystem“

Bernd Hirschl auf der Konferenz "Industry meets Renewables" am 15.09.2022 (Foto: watt_2.0 e. V.)

Wie gelingt es, Potenziale für Wind- und Solarenergie möglichst schnell umzusetzen? Professor Bernd Hirschl machte sich auf der Tagung „Industry meets Renewables“ und auf dem 25. Energietag Rheinland-Pfalz dafür stark, das Stromsystem möglichst regional und partizipativ zu gestalten. „Von der Erzeugung über den Verbrauch und die Netze bis hin zu Rahmenbedingungen und Geschäftsmodellen muss die Teilhabe für Kommunen und Bürger*innen leichter werden. Ein solches auf regionale Wertschöpfung ausgerichtetes System ist resilienter und fördert die Akzeptanz“, erklärt Hirschl, der am IÖW forscht und an der Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg lehrt.

Schneller aus der Energiekrise: Strommarkt und -netz auf die Erneuerbaren ausrichten

Die Konferenz „Industry meets Renewables“, die am 15. September 2022 unter der Schirmherrschaft von Bundesminister Robert Habeck stattfand, stand im Zeichen der Energiekrise. Dringender denn je braucht die Industrie – neben kurzfristigen Stützungsmaßnahmen – ein wachsendes Angebot an Erneuerbaren Energien. Professor Hirschl fordert einen massiven Umbau hin zu mehr Wind- und Solarenergie als zentrale Schlüsseltechnologien. In seinem Vortrag kritisiert er, dass weder das aktuelle Strommarktdesign noch die Netzkonfiguration für die Dominanz von Wind- und Solarenergie ausgelegt sind.

Ziel sei ein dezentrales Stromsystem mit Erzeuger- und Verbraucherregionen, die sich zu regionalen Netzverbünden zusammenschließen, mit systemeffizienten regionalen Geschäftsmodellen wie echten Regionalstromangeboten, regionalen virtuellen Kraftwerken, mit vielen Energiegemeinschaften und -genossenschaften. Auch Kommunen sollten in EE-Anlagen investieren können, um an den Gewinnen teilzuhaben. Ein derart partizipatives System schaffe regionale Wertschöpfung, Beschäftigung und Akzeptanz, betont Hirschl. Bund und Länder müssen die Rahmenbedingungen dafür verbessern. Nur so werden Kommunen den Ausbau von Wind- und Solarkraft beschleunigen und das Windflächenbedarfsgesetz, das im Februar 2023 in Kraft tritt, ambitioniert umsetzen.

Mehr Versorgungssicherheit durch ein dezentrales Energiesystem

Wenn sich Regionen, Bürger*innen und Kommunen an der Stromproduktion beteiligen, stärkt das nicht nur die Akzeptanz, sondern es erhöht zugleich die Krisenfestigkeit des Energiesystems und des Stromnetzes. Diesen Zusammenhang erklärte Bernd Hirschl in einer Keynote auf dem 25. Energietag Rheinland-Pfalz: Nur eine konsequent regionale Energiewende führe zu einem resilienten Energiesystem – zu einem effizienten, flexiblen und stabilen, subsidiaren Stromsystem. Im Fall eines überregionalen Blackouts könnte so eine Mindestversorgung auf Basis erneuerbarer Energien sichergestellt werden, wenn Erzeuger- und Verbraucherregionen technisch miteinander verbunden und somit inselnetzfähig werden. Die Voraussetzung ist auch hierfür ein ausgewogener Mix an Wind- und Solarstromanlagen und anderen erneuerbaren Energien in diesen Regionen.

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Downloads und Links:

„Erneuerbare Potenziale heben: Regionalisierung als Schlüssel“
(Industry meets Renewables, Husum, 15. September 2022)


„Versorgungssicherheit und Resilienz des Energiesystems“
(25. Energietag Rheinland-Pfalz, TH Bingen, 22.09.2022)


Kontakt:

Prof. Dr. Bernd Hirschl
Tel.: +49–30–884 594-0
bernd.hirschl(at)ioew.de

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