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Ökologisches Wirtschaften 3/15: Unternehmen in der sozial-ökologischen Transformation

Wie können Unternehmer/innen die sozial-ökologische Transformation mitgestalten? Welche möglichen Wege dorthin gibt es? Und welche transformativen Potenziale haben Unternehmen, die nicht wachsen wollen? In der Jubiläumsausgabe der Zeitschrift ÖkologischesWirtschaften lesen Sie, wie innovative Betriebe wirtschaftlichen Wandel gestalten und damit eine Debatte über die zukünftige Rolle von Unternehmen anstoßen. Die Zeitschrift erscheint im 30. Jahrgang: 1985 ist sie erstmals als Informationsdienst des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW) erschienen und wurde 1996 in ÖkologischesWirtschaften umbenannt.

IÖW-Wissenschaftler/innen geben nun vielfältige Einblicke in die Forschung zu Unternehmen in der sozial-ökologischen Transformation. In neun Thesen stellen Gerd Scholl und Heike Mewes den Ist-Stand vor − was bewirkt transformatives Unternehmenshandeln und was wurde bislang erreicht? IÖW-Gründer Reinhard Pfriem und seine Mitautor/innen Irene Antoni-Komar und Christian Lautermann beschreiben wie Stefan Schaltegger, Erik G. Hansen und Florian Lüdecke-Freund verschiedene Rollen von transformativen Unternehmen in Gesellschaft und Wirtschaft. Nele Kampffmeyer zeigt anschließend anhand von Praxisbeispielen Wege in eine zukünftige, transformative Wirtschaft. Jana Gebauer und Heike Mewes erläutern, wie nachhaltig orientierte Unternehmen auch ohne Größenwachstum zukünftig sozial-ökologischen Wandel mitgestalten können.

Nachhaltigkeit als Kerngeschäft: Neun Thesen aus dem IÖW

Um einer Diskussion über transformatives Unternehmenshandeln eine Ausgangslage zu geben, haben Gerd Scholl und Heike Mewes stellvertretend für das IÖW neun Thesen entwickelt, die die Rolle solcher Unternehmen als Teil sozial-ökologischen Wandels erläutern, welche die Nachhaltigkeit zum gelebten Leitprinzip − das heißt zu ihrem Kerngeschäft − gemacht haben. Transformatives Unternehmenshandeln versteht sich allerdings nicht nur als unternehmensinternes Leitbild, sondern strahlt nach außen und steht repräsentativ für die Machbarkeit einer konsequent nachhaltigen Wirtschaftsweise. Diese Signalwirkung findet sich im Lieferkettenmanagement, in der Kundenkommunikation und in innovativen Netzwerken nachhaltiger Wertschöpfung wieder. Nicht zuletzt kann so ein offener Dialog über sozial-ökologischen Wandel zwischen Politik und Wirtschaft angestoßen werden.

Die Einleitung zum Schwerpunktthema steht Ihnen online als Download zur Verfügung.

Wirkungsdimensionen transformativer Unternehmen

Reinhard Pfriem und Kolleg/innen bilden in zehn Wirkungsdimensionen besondere Qualitäten transformativer Unternehmen als gesellschaftspolitische Akteure ab und zeigen neue Möglichkeitsräume für nachhaltige Produktions-, Konsum- und Lebensstile auf: Unabhängige Selbstermächtigung von Unternehmen und Konsumenten statt Fremdversorgung; Partnerschaftliche Befähigung durch Unternehmen als Enabler oder Ermöglicher für Kunden, die mit gekauften Produkten und Dienstleistungen umgehen lernen; Gemeinschaftsbildung durch Teilen und Kooperation als Renaissance gemeinschaftsorientierten Wirtschaftens; Materielle statt monetäre Teilhabe durch gemeinschaftliche Beteiligung an Produkten wie Strom oder produzierten Lebensmitteln; Gestärkte Selbstversorgung durch Prosumententum; Engagement zur Gesellschaftsgestaltung durch aktive Tatkraft statt politischer Ohnmacht; Ökonomische Selbstbegrenzung durch ökonomische Mäßigung, einer Ökonomie des Genugs, die auch von Unternehmen ausgehen kann; Entschleunigung durch ein Mehr an Zeitwohlstand und Muße statt permanenter Steigerungslogik; Lokalisierung durch räumliche Nähe statt Fernbezug; Renaturierung durch die Stärkung der Biodiversität und der Allmende der Natur.

Vom Nicht-Wachsen-Wollen

Der abschließende Beitrag des Heftschwerpunkts wird von Jana Gebauer und Heike Mewes gestaltet, die Postwachstumsunternehmen im Kontext sozial-ökologischen Wandels vorstellen. Welche Beiträge können vor allem kleine und mittelständische Unternehmen ohne eigenes Größenwachstum zum sozial-ökologischen Wandel beitragen? Postwachstumsunternehmen reflektieren Begrenzungen des eigenen Unternehmenswachstums und erkennen Wachstumstreiber und -abhängigkeiten, um anschließend einen proaktiven Umgang mit diesen Grenzen zu entwickeln und sich als Qualitätsanbieter zu positionieren. Dabei verzichten sie auf spezifische Umsatz- Wachstumsgelegenheiten, skalieren aber dennoch ihre Wirkung und streben teilweise nach einer System(veränderungs)relevanz. So wollen Postwachstumsunternehmen Umweltwirkungen verbessern und Branchenstandards erhöhen. Auch Suffizienzstrategien werden hierbei sichtbar – unternehmensintern aber auch im Umgang und der Beratung von Kunden. So können nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen ohne eigenes Größenwachstum eine große Wirkung auf den sozial-ökologischen Wandel haben.

Neue Konzepte gesellschaftlicher Transformation

Die Jubiläumsausgabe stellt auch außerhalb des Heftschwerpunkts interessante umweltpolitische Konzepte vor. In der Rubrik Neue Konzepte wird diskutiert, wie sich Transformation fernab von direkter (umwelt)politischer Steuerungsmöglichkeit insbesondere in Zeiten EU-politischer Krisen gestaltet, welche Potenziale dabei etwa Reallabore kollaborativer Produktion haben und welche Meilensteine für eine nachhaltige Bioenergiestrategie in Deutschland, nebst dem erklärten politischen Ziel, praktisch gemeistert werden müssen.

Green Economy im Open Access

Im Vorfeld der Jubiläumstagung von IÖW und VÖW am 3. November in Berlin können Sie den Artikel zu den neun Transformationsthesen von Gerd Scholl und Heike Mewes als Volltext kostenlos downloaden. Mit dem ÖkologischesWirtschaften Newsletter“ sind Sie stets vorab über neue Ausgaben und Themen informiert und wissen, welche Artikel im Open Access Bereich von „ÖkologischesWirtschaften Online“ neu verfügbar sind. Die Ausgabe 3/2013 "Green Economy" und alle davor erschienenen Artikel stehen ab sofort allen Leser(inne)n im Open Access zur Verfügung.

Mehr Informationen:

Zum Inhaltsverzeichnis ÖkologischesWirtschaften 3/2015

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