Natürliche und naturnahe Flusslandschaften – Gewässer und ihre angrenzenden Auen – haben einen hohen Wert für die Gesellschaft, denn sie stellen eine Vielzahl von Funktionen und Leistungen zur Verfügung. Sie sind Hotspots für die Biodiversität und durch ihren Strukturreichtum haben sie für Menschen einen hohen Erlebnis- und Erholungswert. Darüber hinaus erbringen sie weitere zentrale Ökosystemleistungen: Sie regulieren Hochwasser und Niedrigwasser, verbessern die Wasserqualität, binden Treibhausgase und stellen Trink- und Brauchwasser bereit.
Dementsprechend vielfältig sind die Nutzungsansprüche an Gewässer und Auen: Wasserkraft und Schifffahrt, Siedlungsflächenentwicklung, landwirtschaftliche Nutzungen oder Hochwasserschutz konkurrieren teilweise miteinander – im Gewässer selbst und in den angrenzenden Ufer- und Auenbereichen. Sie zeigen, dass Gewässer und Auen unter einem sehr hohen Nutzungsdruck stehen, der ihre Funktionsfähigkeit und damit die Bereitstellung von Ökosystemleistungen beeinträchtigt. Gleichzeitig verdeutlichen die Degradierung und der Verlust naturnaher Flusslandschaften, dass der gesellschaftliche Nutzen natürlicher Ökosysteme in planerischen und politischen Entscheidungen in der Vergangenheit nicht ausreichend einbezogen wurde, etwa über Veränderungen der Nutzung von Flusslandschaften. Um Gewässer- und Auenlandschaften nachhaltig zu entwickelt, braucht es ein besseres Verständnis darüber, wie Änderungen der Flächennutzung mit der Bereitstellung von Ökosystemleistungen zusammenhängen. Die unterschiedlichen Werte dieser Leistungen gilt es, in Planungs- und Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen
Im Jahr 2015 hat das Bundesamt für Naturschutz mit der Broschüre „Gewässer und Auen – Nutzen für die Gesellschaft“ dargestellt, wie Auenrenaturierungen dazu beitragen, Ökosystemleistungen zu verbessern. Um ein breites Verständnis der Bedeutung von Ökoystemleistungen in der Gesellschaft und bei Entscheidungsträger*innen zu fördern, aktualisiert und erweitert das IÖW die Broschüre in Zusammenarbeit mit dem Institut biota. Ziel ist es, die Aussagen zum gesellschaftlichen Wert der von Gewässern und Auen bereitgestellten Ökosystemleistungen auf eine aktuelle wissenschaftliche Basis zu stellen. Zusätzlich werden bisher nicht betrachtete Leistungen wie die Bereitstellung von Trink- und Brauchwasser, Sedimentregulation oder Kühlwirkung ergänzt. Die Informationen werden anschaulich aufbereitet, um so dazu beizutragen, dass der Wert von naturnahen Flusslandschaften und Auen in gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen umfangreicher berücksichtigt wird.