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Nature Credits Wissensstand, Analyse von Ansätzen und Entwicklung von Handlungsempfehlungen

Nature Credits, auch als „Naturgutschriften“ bezeichnet, sind handelbare Zertifikate in Form einer quantitativ messbaren und nachweisbaren Einheit, die einen positiven Beitrag zur Biodiversität belegt. Sie zielen darauf ab, die biologische Vielfalt zu erhalten und dem Verlust von Biodiversität entgegenzuwirken. Nature Credits sollen dabei helfen, private Investitionen für Naturschutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen zu aktivieren. Das Interesse an solchen Instrumenten ist angesichts der unzureichenden Bereitstellung öffentlicher Mittel in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Internationale Vereinbarungen wie das globale Rahmenwerk für biologische Vielfalt von 2022 fordern zusätzlich zur verstärkten Bereitstellung öffentlicher Mittel ausdrücklich auch einen Einsatz von privatem Kapital.  

Zurzeit entwickeln Akteure wie die Europäische Kommission sowie verschiedene internationale Gremien und Initiativen vermehrt Konzepte und Pilotmärkte für Nature Credits und geben diese in ersten Programmen aus. Gleichzeitig ist der Markt noch jung und sehr uneinheitlich. Bisherige Ansätze weisen große strukturelle Unterschiede in Bezug auf Governance, Berechnungs- und Ausgabenansätze auf und heterogene Messmethoden erschweren die Vergleichbarkeit. Zudem fehlen klare Definitionen und Standards. Zu den wichtigsten Herausforderungen gehört, dass die Zusätzlichkeit (additionality) und Dauerhaftigkeit von Biodiversitätsgewinnen sichergestellt wird. Auch müssen robuste kontrafaktische Baselines – das heißt wissenschaftlich fundierte Ausgangszustände, an denen gemessen werden kann, ob ein Projekt tatsächlich einen Unterschied macht – entwickelt werden, Leakage-Effekte (also die Verlagerung von Biodiversitätsverlusten in andere Gebiete) vermieden sowie soziale Schutzmechanismen integriert werden. Zudem werden Zielkonflikte zwischen ökologischer Integrität und Finanzmarkterfordernissen diskutiert: Strengere Messmethoden erhöhen die Transaktionskosten und können die Liquidität mindern, während vereinfachte Metriken die ökologische Wirksamkeit untergraben könnten. Grundsätzlich stellt sich die Frage wie sich dokumentierte Schwächen freiwilliger Kohlenstoffmärkte wie überschätzte Wirkungen, Greenwashing-Risiken und unzureichende Governance, bei der Entwicklung von Nature Credits von vornherein vermeiden lassen, zumal Biodiversität noch komplexer zu messen ist als Kohlenstoff. 

Das Projekt verfolgt das Ziel, einen fundierten Überblick über aktuelle Ansätze zu Nature Credits zu gewinnen und daraus Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungstragende sowie Unternehmen, Finanzakteure und Entwickler von Nature-Credits-Programmen abzuleiten. Dazu sammelt und systematisiert das Projektteam Wissen aus der Literatur, bringt über Interviews und Veranstaltungen verschiedene Stakeholder-Perspektiven ein, führt ein kontinuierliches Monitoring relevanter politischer Entwicklungen durch und unterstützt das Bundesamt für Naturschutz bei der Mitwirkung in europäischen Prozessen.

IÖW-Projektteam