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Neujustierung von Nachhaltigkeitspolitik im Kontext multipler Krisen

Um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, müssen Produktions- und Konsumweisen grundlegend verändert werden. Dieses Ziel ist fest in Politik und Wissenschaft verankert, etwa im European Green Deal oder in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Gleichzeitig haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Nachhaltigkeitspolitik in den letzten Jahren stark verändert. Mehrere Krisen traten und treten parallel auf – etwa die Corona-Pandemie, Kriege, soziale Spannungen und der Aufstieg populistischer Bewegungen. Diese „Polykrise“ führt dazu, dass Politik oft kurzfristig auf Probleme reagiert, statt langfristige Veränderungen anzugehen. Gerade in Demokratien wird es schwieriger, breite und dauerhafte Unterstützung für Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu gewinnen. 

Die notwendige sozial-ökologische Transformation wird daher zunehmend zum Streitpunkt in der Gesellschaft. Gemeinsame Werte und Ziele bröckeln, die Polarisierung nimmt zu und Widerstand gegen Nachhaltigkeitspolitik wächst. Einige Forschende sprechen bereits von einer Phase der „Post-Nachhaltigkeit“, in der es weniger um Veränderung als um die Anpassung an Krisen geht. Auch große Klimabewegungen haben an Mobilisierungskraft verloren. Zwar wird Nachhaltigkeit weiterhin als wichtig angesehen, doch ihre bisherige Begründung überzeugt viele Menschen weniger als früher.

Das Forschungsvorhaben verfolgt das Ziel, die veränderten Rahmenbedingungen systematisch zu untersuchen und praxisnahe Ansätze für eine zukunftsfähige deutsche Nachhaltigkeitspolitik zu erarbeiten. Im Mittelpunkt steht zunächst die Auswertung bisheriger Erfahrungen anhand einer Literaturanalyse und Leitfaden-Interviews mit zentralen Akteur*innen der Nachhaltigkeitspolitik: Welche Strategien und Ansätze haben sich als wirksam erwiesen und die Umweltpolitik gestärkt? Und welche blieben hinter den Erwartungen zurück oder konnten nicht so umgesetzt werden wie geplant?

Diese rückblickende Analyse wird ergänzt durch eine zukunftsgerichtete Perspektive: Welche neuen Optionen bzw. Narrative versprechen die umweltbezogene Nachhaltigkeitspolitik zu stärken und wie können sie umgesetzt werden? In zwei Workshops mit Akteur*innen aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft werden Möglichkeiten zur Neujustierung der deutschen Nachhaltigkeitspolitik priorisiert. Anschließend werden gemeinsam mit Akteur*innen aus drei auszuwählenden Handlungsfeldern Prototypen entwickelt, die die Strategien und Ideen beispielhaft konkretisieren und weiterentwickeln sollen. 

IÖW-Projektteam