Wie lange werden Elektro- und Elektronikgeräte in Deutschland aktuell genutzt? Obgleich die Verlängerung der Nutzungsdauer eine zentrale Stellschraube für Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz ist, fehlen Daten zu tatsächlichen Nutzungsdauern, Aufbewahrungspraktiken und Entsorgungswegen. Das Forschungsvorhaben soll daher eine breite, aktuelle und repräsentative Datengrundlage zur Nutzungs- und Verweildauer elektronischer Geräte schaffen.
In Privathaushalten kommt es nicht nur durch irreparable Defekte zu verkürzten Nutzungszeiten: Auch reparierbare oder „aus der Mode gekommene“ Geräte landen häufig im Müll. Welche Umstände – etwa soziale Praktiken, Werte, normative Leitbilder oder digitale Konsumumgebungen – führen zum Austausch funktionsfähiger Geräte? Wie häufig werden Reparaturen vorgenommen und welche sozialen, materiellen sowie institutionellen Barrieren verhindern erfolgreiche Reparaturen? Um Datenlücken sozialwissenschaftlich fundiert zu schließen, erheben die Forschenden aktuelle Nutzungs- und Lagerungsdauern von Geräten und ermitteln die Diskrepanz zwischen der realen und erwarteten Dauer. Im Fokus stehen auch Entsorgungswege und Funktionstüchtigkeit von Altgeräten sowie Unterschiede zwischen „Smart Devices“ und nicht-vernetzten Geräten.
In Gewerbe und öffentlichem Sektor untersucht das Projekt die nicht-private Nutzung von Geräten: Wie beeinflussen Faktoren wie Abschreibungsregeln, Sicherheitsanforderungen, Serviceverträge oder Organisationskulturen die Nutzungsdauer?
Die Methodik umfasst eine Datentriangulation in drei Erhebungsschritten: Eine repräsentative Befragung von Privathaushalten erfasst die Nutzungsdauern von rund 50 Gerätetypen, ergänzt um lebensdauerrelevante Praktiken und Deutungen. In aufsuchenden Erhebungen auf Wertstoffhöfen werden abgebende Personen befragt und der Zustand der Geräte dokumentiert. Zu institutionellen und organisatorischen Rahmenbedingungen der nicht-privaten Nutzung werden Expert*innen interviewt.
Es entsteht ein Management Summary für politische Akteure, ein wissenschaftlicher Abschlussbericht und ein Monitoring-Konzept für Zeitreihen zu Nutzungsdauern und Entsorgungspraktiken. In einem Fachgespräch sollen die Erkenntnisse mit der Öffentlichkeit diskutiert werden. Die Ergebnisse liefern eine solide Basis für politische und kommunikative Maßnahmen zum zirkulären Wirtschaften, zur Abfallvermeidung und zur Verlängerung der Lebensdauer von Produkten.