Biochar Carbon Removal (BCR) durch langsame Pyrolyse gehört zu den ausgereiftesten Technologien zur CO₂-Entnahme und gewinnt zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Allein in Europa ist die Zahl der Pyrolyseanlagen zwischen 2015 und 2024 von rund 20 auf über 200 gestiegen. Doch wie sind die Geschäftsmodelle der Anlagenbetreiber konkret aufgestellt – und wie könnten sie sich bis 2045 weiterentwickeln? Die Studie analysiert dazu 39 Pyrolyseanlagen mit Energieauskopplung in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Basis von Internetquellen, ergänzt durch 11 Interviews mit Anlagenbetreibern und -herstellern sowie einen Backcasting-Workshop mit Branchenexpert*innen.
Die Analyse zeigt: Pyrolyse-Geschäftsmodelle sind heute divers aufgestellt. Vier Archetypen lassen sich unterscheiden:
Ein zentrales Ergebnis: Pflanzenkohle und Strom werden selten gleichzeitig priorisiert. Wer Strom als Hauptprodukt vermarktet, behandelt Biochar häufig als Nebenprodukt. Wer Biochar in den Mittelpunkt stellt, produziert selten Strom. Flexibilität in der Energiebereitstellung ist technisch möglich, aber bisher kaum realisiert – fehlende Anreize und wirtschaftliche Prioritäten stehen dem entgegen.
Die Autor*innen zeigen außerdem, dass die Teilnehmenden des Workshops das größte Potenzial im Jahr 2045 in der Wärmeversorgung sehen – etwa durch Integration in kommunale Wärmeplanung, saisonale Speicher und neue Organisationsformen wie Genossenschaften. Bio-Öl als Kraftstoff und Wasserstoffproduktion aus Synthesegas bieten aus Sicht der Teilnehmenden langfristige Perspektiven, erfordern aber noch erhebliche technologische Fortschritte und unterstützende Rahmenbedingungen. Flexible Stromerzeugung bleibt für sie ebenfalls ein Zukunftsthema.
Zum Artikel (EN)