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Die Alternativwirtschaft im Land Bremen Empirische Vermessung der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Relevanz

Seit 2020 fördert die Freie Hansestadt Bremen gezielt alternative, gemeinwohlorientierte Wirtschaftsformen. Im Fokus stehen sozial-ökologisch ausgerichtete Unternehmen wie Social Entrepreneurs, solidarische Wirtschaftsformen und weitere alternativwirtschaftliche Akteure. Sie sind etwa in den Bereichen Inklusion, Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und soziale Dienstleistungen tätig. Die vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung durchgeführte Studie untersucht erstmals empirisch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz der Alternativwirtschaft im Land Bremen. Grundlage ist ein erweitertes Wirtschaftsverständnis, das klassische Indikatoren um alternativwirtschaftliche ergänzt und so Beiträge zur sozial-ökologischen Transformation sichtbar macht. 

Zentrale Leitfragen betreffen die sektorale Verortung, Organisationsformen sowie die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung dieses bislang wenig bekannten Wirtschaftsbereichs. Methodisch kombiniert die Studie eine Online-Umfrage unter alternativwirtschaftlichen Organisationen mit qualitativen Experteninterviews. Die zentralen Ergebnisse sind: 

  1. Umfang und Vielfalt: Rund 400 alternativwirtschaftliche Unternehmen sind in Bremen und Bremerhaven aktiv. Sie decken zentrale Lebensbereiche ab – darunter Bildung, Soziales, Gesundheit, Ernährung, Handwerk, Wohnen, Energie sowie Kultur- und Kreativwirtschaft. Kennzeichnend sind eine starke lokale Verankerung, enge Vernetzung und häufig multifunktionale Angebote. Viele Unternehmen verbinden soziale und ökologische Ziele und entwickeln innovative, gemeinwohlorientierte Geschäftsmodelle.
     
  2. Wirtschaftliche Eigenständigkeit und Resilienz: Die Alternativwirtschaft finanziert sich überwiegend eigenständig und ist nicht einseitig von staatlichen Förderungen abhängig. Ihre Krisenfestigkeit beruht auf diversifizierten Einnahmequellen, breiter Stakeholder-Unterstützung und einer starken Einbettung in die Zivilgesellschaft. Die Beschäftigten- und Ehrenamtszahlen unterstreichen ihre lebenspraktische Relevanz.
     
  3. Gesellschaftliche und transformative Bedeutung: Alternativwirtschaftliche Akteure adressieren bislang vernachlässigte Bedarfe, setzen neue ökologische Standards und erproben innovative Organisations- und Geschäftsmodelle. Ihre Wirkungen entfalten sich vor allem lokal und regional; Skalierungs- und Sichtbarkeitspotenziale sind jedoch noch nicht ausgeschöpft. 
     

Die Studie trägt dazu bei, die Alternativwirtschaft sichtbarer zu machen und ihre Rolle als Pionierin einer zukunftsfähigen, gemeinwohlorientierten Wirtschaft zu unterstreichen. 

Eine Abbildung mit einem Überblick zur Bremer Alternativwirtschaft finden Sie hier. Als ergänzende Lektüre zur Studie empfehlen wir das Diskussionspapier „Was ist Alternativwirtschaft?“. Es vertieft das Begriffsverständnis, das der empirischen Studie zugrunde liegt.