Die Polykrise ist in der Gesellschaft angekommen: Kriege, Inflation, Rechtsruck, verschärfte soziale Ungleichheiten, und – obgleich aus dem Blick geraten – die sich zuspitzenden ökologischen Krisen wie Klimawandel und Artensterben. Vor diesem Hintergrund argumentieren Vivian Frick und Julia Fülling, dass technologische Innovationen allein keine ausreichende Antwort auf die Herausforderungen der Gegenwart bieten. Der Beitrag plädiert dafür, Suffizienz wieder stärker in den Mittelpunkt nachhaltigkeitspolitischer Diskussionen zu rücken.
Die Autorinnen zeigen, dass Suffizienz weit mehr bedeutet als individuellen Verzicht. Vielmehr geht es um die Frage, wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen werden können, die ein gutes Leben innerhalb ökologischer Grenzen ermöglichen. Während politische Strategien bislang vor allem auf Effizienzsteigerungen und technische Lösungen setzen, bleiben Ansätze zur Verringerung von Ressourcen- und Energieverbrauch häufig randständig, obwohl sie für die Einhaltung planetarer Grenzen unverzichtbar sind.
Der Artikel ordnet Suffizienz als zentralen Baustein einer sozial-ökologischen Transformation ein und diskutiert, warum entsprechende Maßnahmen oft auf politischen Widerstand stoßen oder gesellschaftlich wenig Aufmerksamkeit erhalten. Gleichzeitig machen die Autorinnen deutlich, dass Suffizienz wichtige Antworten auf ökologische Krisen ebenso wie auf Fragen sozialer Gerechtigkeit liefern kann. Sie werben dafür, das Konzept nicht länger als Verzichtsdebatte zu verstehen, sondern als Grundlage für mehr Lebensqualität, Resilienz und Zukunftsfähigkeit.