Das Diskussionspapier schlägt eine Definition von Alternativwirtschaft als empirisch-analytischem Konzept vor, um sozial-ökologisch transformative Wirtschaftsformen systematisch zu erfassen. Angesichts der wachsenden Kritik an der dominanten, wachstums- und profitgetriebenen Wirtschaftsweise wird Alternativwirtschaft als Sammelbegriff für Unternehmen und Organisationsformen verstanden, die sich durch andersartige Zielsetzungen, Strukturen und Praktiken auszeichnen. Im Mittelpunkt der Definition steht ihre Ausrichtung an sozial-ökologischen Transformationszielen, die sich in alternativen Produkten und Dienstleistungen, demokratischen Organisationsformen, solidarischen Stakeholder-Beziehungen sowie gemeinwohlorientierter Mittelverwendung äußern kann. Alternativwirtschaft grenzt sich bewusst von oberflächlichen Nachhaltigkeitsansätzen ab und zielt auf tiefgreifende Veränderungen ökonomischer Institutionen, Eigentumsverhältnisse, Arbeitsbeziehungen und Wirtschaftspraktiken.
Christian Lautermann diskutiert Unterschiede und Berührungspunkte zwischen der Alternativwirtschaft und benachbarten Feldern in Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu gehören die konventionelle Ökonomie, die Sozialwirtschaft, die informelle Ökonomie, das traditionelle Vereinswesen und öffentliche Unternehmen. Der Autor stellt verschiedene Organisationsformen als typische Unternehmen der Alternativwirtschaft vor: zum einen Organisationsformen, die sich in bestimmten Versorgungsbereichen etabliert haben – wie Wohnungsbaugenossenschaften, Solidarische Landwirtschaft, Bürgerenergiegenossenschaften und Sozialkaufhäuser. Zum anderen zählen branchenunabhängige Unternehmensformen wie Kollektivbetriebe, Sozialunternehmen und gemeinschaftsgetragene Unternehmen zur Alternativwirtschaft.
Das Papier plädiert für die Verwendung des Begriffs „Alternativwirtschaft“ als integrierenden Oberbegriff, der die Vielfalt sozial-ökologisch ambitionierter Wirtschaftsformen abbildet und gleichzeitig klare Kriterien für empirische Untersuchungen bietet. Die Definition dient als Grundlage für regionale Bestandsaufnahmen – wie die zeitgleich entstandene Studie zur Alternativwirtschaft im Land Bremen – und soll die gesellschaftliche Debatte über notwendige Wirtschaftstransformationen anregen. Indem der Ansatz die Radikalität und Tiefe von Alternativen betont, trägt er dazu bei, echte Transformationsansätze von bloßen Modifikationen des Status quo zu unterscheiden.