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Mit Straßengrün die Verkehrswende voranbringen – VCÖ nominiert BlueGreenStreets als internationales Vorbildprojekt

Visualisierung der Gestaltungsprinzipien für Multicodierte Straßen: einladend, wassersensibel und hitzeangepasst.

Multicodierte Straßen: einladend, wassersensibel und hitzeangepasst. (Bild: BlueGreenStreets, bgmr 2020)

Straßen dienen in erster Linie einem sicheren, flüssigen Verkehr – dabei könnten sie viel mehr leisten: Mit reichlich Stadtgrün, Sitzgelegenheiten und integriertem Regenwasserspeicher schützen Straßen die Stadtgesellschaft vor Wetterextremen und laden zum Verweilen ein. Den Straßenraum zu einem Multitalent für Mobilität, Klimaschutz, Gesundheit und Lebensqualität umzugestalten – dieser Ansatz hat den Verkehrsclub Österreich (VCÖ) überzeugt: BlueGreenStreets ist eines von fünf internationalen Projekten, die für den Mobilitätspreis nominiert wurden. 

Das BMBF-geförderte Projekt entwickelt und testet Planungsansätze für zukunftsfähige, wassersensible Stadträume. Hierfür bewertet das IÖW die vielseitigen Ökosystemleistungen von Straßenbäumen, Verdunstungsbeeten und Co. Unter anderem untersucht eine repräsentative Umfrage, wie die Anwohner/innen Quantität und Qualität des Straßenbegleitgrüns wertschätzen. Fazit: Besonders viel Wert legen die Befragten auf ein vitales, gut bewässertes Stadtgrün. Genau dafür bieten die Regenwassersysteme der BlueGreenStreets eine ressourcensparsame Lösung.

Für Stadtnatur auf Parkplätze verzichten?

Zu den Reallaboren des BlueGreenStreets-Projektes gehören der Berliner Rudolfplatz und die Hamburger Königstraße. Hier entstehen grüne Korridore mit Bäumen, Stauden und Sträuchern. Die entsiegelten und bepflanzten Bereiche nehmen Regenwasser auf, reinigen die Luft und sorgen bei Hitze für ein angenehmeres Stadtklima, weil sie Wasser verdunsten und den Straßenbelag verschatten.

Doch ist die Stadtbevölkerung bereit, für die zwei Meter breiten grünen Korridore auf Pkw-Parkplätze zu verzichten und Verkehrsbereiche zu beruhigen? Für die Umgestaltung des Rudolfplatzes in Berlin wird beispielsweise ein Teil des Gebiets mit Pollern vom regulären Autoverkehr abgetrennt. Im Gegenzug soll Platz für Feste, Märkte und Sitzinseln im Schatten von Bäumen entstehen. Welche Art der Straßenraumgestaltung findet Akzeptanz bei Berliner/innen und Hamburger/innen? Das soll eine repräsentative Online-Umfrage ermitteln, die das IÖW derzeit auswertet: In dem Choice-Experiment konnten die Teilnehmenden verschiedene Szenarien der Straßengestaltung gegeneinander abwägen – etwa mit mehr oder weniger Platz für Stadtgrün, mit einer gesicherten oder nicht gesicherten Vitalität des Straßengrüns. Erste Ergebnisse zeigen: Besonders wichtig ist den Befragten, dass die Bäume und Beete auch im Hochsommer grün und vital bleiben. 

Starkregen auffangen und zur Bewässerung nutzen

Durch den Klimawandel müssen sich Städte zunehmend auf Starkregegenereignisse und lange Trockenheit einstellen - vor allem für Straßenbäume eine ungünstige Kombination. In versiegelten Straßen kann Starkregen nicht versickern und überlastet stattdessen die Kanalisation. Eine Mischkanalisation, wie im Fall des Berliner Rudolfplatzes, droht dann sogar natürliche Gewässer wie die Spree mit Abwasser zu verunreinigen. Abhilfe schaffen abgesenkte Verdunstungsbeete und sogenannte Baumrigolen: Diese unterirdischen Wassersysteme fangen Regenwasser auf und leiten es zum Wurzelbereich der Bäume. Davon werden die neu gepflanzten Bäume in der Hamburger Königstraße profitieren. Das IÖW berechnet, wie hoch der gesamtgesellschaftliche Nutzen der verschiedenen Maßnahmen zu bewerten ist – zum Beispiel durch eingesparte Gesundheitskosten, die nicht anfallen weil Anwohner/innen aufgrund von verbesserter Luftqualität weniger oft krank werden. Gefördert wird die Forschung im Programm RES:Z – Ressourceneffiziente Stadtquartiere für die Zukunft.

Mobilitätspreis: Online abstimmen bis zum 26. Juli 

Mit seinem Mobilitätspreis macht der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) bereits zum 30. Mal auf frische Ideen für die Verkehrswende aufmerksam. Ein Fokus der Arbeit des VCÖ ist es, den Übergang von der autogerechten Stadt zu einem zukunftsfähigen öffentlichen Raum anzustoßen. Die Reallabore von BlueGreenStreets zeigen hierfür wissenschaftlich fundierte Alternativen auf.

Nach der Vorauswahl der Jury geht der Mobilitätspreis nun in die letzte Bewertungsphase, das Online-Publikumsvoting. Neben den internationalen Projekten gibt es verschiedenste Kategorien für inländische Projekte. Stimmen Sie gern bis zum 26. Juli 2021 ab! 

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