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Soziale Kriterien beim Blauen Engel stärker berücksichtigen

Als Gütesiegel für besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen wird der Blaue Engel seit 1978 in Deutschland vergeben und ist weithin anerkannt. In Zeiten ganzheitlich nachhaltiger Produktleitlinien stellt sich die Frage, wie Vergabekriterien des Blauen Engels durch soziale Anforderungen ergänzt werden können. Welche Produktgruppen kommen dafür in Betracht? Welche sozialen Kriterien sind besonders zu berücksichtigen? Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung hat hierzu Hersteller sowie Verbraucherinnen und Verbraucher im Auftrag des Umweltbundesamtes befragt. Fazit: Konsumentinnen und Konsumenten wünschen sich, dass ökologische und soziale Aspekte gleichberechtigt in dem Umweltzeichen berücksichtigt werden. Die Produzenten stehen einer solchen Erweiterung der Vergabekriterien neutral gegenüber.

Faire Arbeitsbedingungen in Vergabekatalog aufnehmen

Ziel der Untersuchung war es, solche sozialen Kriterien zu identifizieren, die in den Blauen Engel aufgenommen werden könnten. Bei der Befragung nahmen 335 Hersteller teil, von denen knapp 80 Prozent bereits Zeichennehmer des Engels sind. Von ihnen bekamen die Kriterien menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Durchsetzung sozialer und ökologischer Mindeststandards und faire Bezahlung die größte Zustimmung zur Aufnahme als soziale Kriterien. Dem gegenüber legten die etwa 1.000 befragten Verbraucherinnen zusätzlich besonderes Augenmerk auf die Kriterien keine Kinder- und Zwangsarbeit sowie Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Menschenwürdige Arbeitsbedingungen ohne Kinder- und Zwangsarbeit bei fairer Bezahlung in die Vergabe des Gütesiegels aufzunehmen, stieß bei beiden Gruppen auf Zuspruch. Als besonders geeignete Produktgruppen für eine solche Erweiterung des Blauen Engels wurden Textilien und Spielzeuge angesehen.

Erweiterung des Labels vorstellbar

Um den Blauen Engel vom Umwelt- zum Nachhaltigkeitssiegel mit einer breiten Akzeptanz auf der Produktionsseite weiterzuentwickeln, sollten die Hersteller im Erweiterungsprozess des Labels eng eingebunden werden, empfehlen die Forscher/innen. Viele erkennen bereits den Mehrwert des Zeichens in Zeiten steigenden sozial-ökologischen Bewusstseins. Denn auf Verbraucherseite wünscht sich fast die Hälfte eine gleichberechtigte Berücksichtigung von ökologischen und sozialen Kriterien statt eines „klassischen“ Umweltzeichens – und dieser Bedeutungsgewinn ist auch den Herstellern bewusst.


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Bibliografische Informationen:

Rubik, Frieder; von Brunn, Alexandra; von der Kaus, Katharina; Seiler, Pascal (2020): Erweiterte Integration sozialer Aspekte im Umweltzeichen Blauer Engel: Ergebnisse einer Hersteller- und Verbraucherbefragung, UBA-Texte 70/2020, 113 Seiten

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