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Thomas Korbun in Bundestagsfachgespräch: „Wir brauchen ein neues Verständnis von Wissenschaftskommunikation“

Bei dem öffentlichen Fachgespräch „Stand und Perspektiven der Wissenschaftskommunikation“ im Wissenschaftsausschuss des Bundestags am 14. Oktober 2015 plädierte IÖW-Geschäftsführer Thomas Korbun als geladener Sachverständiger dafür, dass es ein neues Verständnis von Wissenschaftskommunikation brauche. „Eine Forschung, die sich zu großen gesellschaftlichen Problemlagen äußern möchte, braucht den Kontakt mit der Gesellschaft. Aber nicht am Ende von Forschungsprojekten, sondern bereits während des Forschungsprozesses und bei der Identifikation der gesellschaftlichen Problemlagen“, so Korbun, der als Sprecher des Ecological Research Network (Ecornet) in dem Ausschuss sprach.

Gemeinsam mit außerwissenschaftlichen Akteuren forschen

Korbun wies darauf hin, dass es mit transdisziplinären Forschungsprojekten, wie sie etwa im Rahmen der Sozial-ökologischen Forschung des Bundesforschungsministeriums erfolgen, bereits solche Orte gibt, in denen Wissenschaft und Gesellschaft in einen produktiven Austausch treten. Die Erfahrungen aus den Projekten bieten besondere Potenziale für die Entwicklung neuer Formen der Wissenschaftskommunikation, die es näher zu untersuchen und weiterzuentwickeln gilt. „Bestehende Initiativen in Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Forschungsförderung sowie methodische Arbeiten müssten weiter gestärkt werden. Denn dieses neue Verständnis von der Rolle der Kommunikation ist in der Wissenschaft noch nicht angekommen“, so Korbun.  

Diese Auffassung teilte auch Sachverständige Steffi Ober, Projektleiterin der Zivilgesellschaftlichen Plattform Forschungswende. Ober forderte etwa, die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft so zu gestalten, dass sie „Widerspruch erzeugt, die Auseinandersetzung fördert, Gestaltungsräume öffnet“. Dafür brauche es konkrete Räume und Formate, die Austausch und gemeinsames Lernen ermöglichen.

Kontrovers: Wie weit sollen Bürger/innen Forschungsagenden mitgestalten?

Die Sachverständigen stimmten zwar darin überein, dass die Wissenschaftskommunikation nicht mehr nur aus der Perspektive "Wissenschaft informiert Gesellschaft" gedacht werden darf, sondern auch partizipative Formate nötig sind. Wie weit Bürger/innen und zivilgesellschaftliche Organisationen Forschungsagenden allerdings mitgestalten sollen, wurde von den Sachverständigen unterschiedlich bewertet. An dem Fachgespräch nahmen als Sachverständige weiterhin unter anderem Prof. Reinhold Leinfelder, Direktor des Hauses der Zukunft, der Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda und Julia Wandt, Vorsitzende des Bundesverbands Hochschulkommunikation, teil.

Diskutiert wurden in dem Fachgespräch zudem weitere konkrete Vorschläge zur Gestaltung der Kommunikation zwischen Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit und mögliche Leitlinien für eine gute Wissenschafts-PR. Zudem erfolgte eine kritische Bestandsaufnahme zum Stand des Wissenschaftsjournalismus. 

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